Wie zolltarifnummer.com Unternehmen durch den Zoll-Dschungel führt

Tom Bössow im Interview

28/05/2026
Produktfoto zolltarifnummer.com
Die Benutzungsoberfläche von zolltarifnummer.com

In der heutigen globalisierten Welt sind Importe und Exporte für viele Unternehmen Alltag – gleichzeitig bringen sie komplexe Herausforderungen mit sich, insbesondere bei der korrekten Einreihung von Waren über Zolltarifnummern. Im Interview erklärt Gründer Tom Bössow, wie er mit seinem Start-up genau dieses Problem lösen und den bislang oft langwierigen Prozess deutlich effizienter gestalten will.

Am besten starten wir ganz von vorn. Was sind Zolltarifnummern und warum sind sie für Unternehmen so wichtig?
Zolltarifnummern bilden die Grundlage dafür, Waren im internationalen Handel korrekt einzuordnen. Jedes Produkt, das importiert oder exportiert wird, benötigt eine solche Nummer – denn sie entscheidet unter anderem darüber, welche Zölle anfallen, ob bestimmte Ein- oder Ausfuhrvorschriften gelten und welche weiteren außenwirtschaftsrechtlichen Anforderungen erfüllt werden müssen.

Die Herausforderung: Für viele Unternehmen ist das Zollwesen sehr komplex und schwer verständlich. Es gibt tausende mögliche Einordnungen, zahlreiche Detailregeln und regelmäßig neue rechtliche Entwicklungen, was schnell zu Fehlern führen kann. Eine falsche Zolltarifnummer kann weitreichende Folgen haben: von Nachzahlungen und Verzögerungen in der Lieferkette bis hin zu Prüfungen oder im schlimmsten Fall sogar Bußgeldern. Deshalb ist die Zolltarifnummer für Unternehmen weit mehr als nur eine Nummer, sie ist ein zentraler Baustein der gesamten Compliance.

Wie entstand die Idee zu zolltarifnummer.com und was hat dich persönlich zur Gründung motiviert?
Mein fachlicher Hintergrund liegt in der Logistik und Digitalisierung. Vor der Gründung habe ich fünf Jahre bei Hartmann International gearbeitet und dort Digitalisierungsprojekte mit vorangetrieben. Eine besonders prägende Erfahrung war für mich außerdem der Aufbau von Cargolo, einer digitalen Spedition, die später ausgegründet wurde. Dort habe ich aus nächster Nähe erlebt, wie digitale Geschäftsmodelle in der Logistik entstehen und wachsen.

Nach dieser Zeit wollte ich unbedingt ein eigenes KI-Produkt entwickeln. Gleichzeitig war das Thema Zoll in der Logistik immer wieder präsent und ich habe gesehen, wie viele Unternehmen Schwierigkeiten haben, die richtige Zolltarifnummer für ihre Produkte zu finden. Daraus ist die Idee für zolltarifnummer.com entstanden.

Wie unterstützt deine Plattform Unternehmen konkret bei der Suche nach der richtigen Zolltarifnummer?
Mit zolltarifnummer.com helfen wir Unternehmen dabei, passende Zolltarifnummern schneller und nachvollziehbarer zu finden. Nutzer geben ihre Produktinformationen ein und erhalten eine KI-gestützte Einschätzung zur passenden Zolltarifnummer. Der Mehrwert liegt dabei nicht nur in der Zeitersparnis, sondern vor allem in mehr Sicherheit und Nachvollziehbarkeit bei der Einreihung. Unsere Zielgruppe sind vor allem mittelständische Unternehmen, die regelmäßig importieren oder exportieren, aber keine eigene große Zollabteilung haben.

Welche Herausforderungen gab es beim Aufbau von zolltarifnummer.com – fachlich und technisch?
Die größte Herausforderung ist die Komplexität des Zollrechts selbst. Zolltarifnummern basieren auf deutschen und europäischen Vorgaben, die sich laufend ändern. Diese fachliche Komplexität technisch sauber abzubilden, ist anspruchsvoll – vor allem, weil die Daten aktuell bleiben und die Ergebnisse der KI nachvollziehbar sein müssen. Gerade in einem dynamischen globalen Umfeld ist das eine Daueraufgabe.

Welche Meilensteine hast du seit dem Start bereits erreicht und wo möchtest du langfristig hin?
Ein großer Meilenstein war der Livegang unserer Plattform Ende September 2025. Seitdem haben wir bereits mehr als 10.000 Nutzer erreicht – von kleinen E-Commerce-Unternehmen bis hin zu großen Konzernen. Das bestätigt uns, dass der Bedarf enorm ist.

Langfristig möchten wir die führende Plattform im deutschsprachigen Raum für Zolltarifnummern werden. Wie groß der Bedarf ist, zeigt der Zoll-Jahresbericht 2025: Allein 2025 wurden in Deutschland rund 786 Millionen angemeldete Positionen in der Warenabfertigung erfasst, darunter 528,2 Millionen Einfuhrpositionen und 250,1 Millionen Ausfuhrpositionen. Für jede angemeldete Warenposition wird mindestens eine Zolltarifnummer benötigt, bei mehreren unterschiedlichen Produkten entsprechend mehrere. Mein Ziel ist es, besonders mittelständischen Unternehmen einen einfachen, bezahlbaren und digitalen Zugang zu einem Thema zu geben, das bisher oft sehr komplex, langsam und teuer ist.

Perspektivisch soll zolltarifnummer.com Unternehmen aber nicht nur bei der reinen Zolltarifnummer unterstützen, sondern auch bei weiteren zollrelevanten Produktinformationen und allgemeinen Compliance-Fragen.

Welche Rolle spielt die garage33 auf deinem bisherigen Weg als Gründer?
Die garage33 begleitet mich bereits zum zweiten Mal im Coaching mit Arthur. Gerade in der frühen Phase von zolltarifnummer.com ist das unglaublich wertvoll, weil ich dort einen Sparringspartner habe, mit dem ich Strategie, Positionierung und Produktentwicklung offen diskutieren kann.

Zusätzlich ist das Netzwerk der garage33 ein großer Mehrwert. Der Austausch mit erfahrenen Coaches, Gründern und anderen Start-ups gibt mir neue Perspektiven und konkrete Impulse. Für mich ist die garage33 deshalb nicht nur ein Beratungsangebot, sondern ein Umfeld, das dabei hilft, aus einer Idee Schritt für Schritt ein tragfähiges Unternehmen zu entwickeln.

Vielen Dank für das spannende Gespräch und die Einblicke in die Entstehung und Vision von zolltarifnummer.com. Wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg auf deinem Weg!

 

Neugierig geworden? Hier geht es direkt zur Websitedes Start-ups: www.zolltarifnummer.com/

Text: Kim Determann