Adrian Hülsmann und Christian Klaussner haben Mitte Dezember ihre Onlineplattform für agiles Projektmanagement nach der Scrum-Methode gelauncht

 

Die Webanwendung edelsprint richtet sich an diejenigen, die ihre Teamarbeit nach der Scrum-Methode organisieren möchten. Insbesondere kleinere Unternehmen und Einsteiger profitieren von dem klaren und einfachen Aufbau der Anwendung. Durch die integrierte Performance-Analyse des Entwicklungsprozesses können zudem individuelle Empfehlungen gegeben werden, damit Teams nachhaltig effizienter zusammenarbeiten und somit ihr volles Potential ausschöpfen. Die Gründer bezogen im April 2019 ihren Arbeitsplatz bei uns in der garage33. Im Oktober 2019 gründeten die beiden Innovatoren die edelsprint UG, eine Ausgründung der Universität Paderborn.

Vollumfängliche Planung und Durchführung von Scrum-Projekten

Die Scrum-Methode wird eingesetzt, um Arbeitsprozesse zu optimieren, wobei der Fokus auf den Teams und ihrer Zusammenarbeit liegt. Die Organisationsstruktur der Methode zeichnet sich dadurch aus, dass alle Anforderungen an ein neues Produkt an zentraler Stelle, dem „Backlog“, gesammelt werden. In sogenannten „Sprints“ werden in einem zeitlich begrenzten Turnus von ein bis zwei Wochen die wichtigsten Anforderungen umgesetzt und den Kund:innen die Ergebnisse des Sprints als fertiges Teilprodukt präsentiert. Das Kund:innenfeedback fließt anschließend wieder direkt in Form von neuen oder überarbeiteten Anforderungen ins Backlog mit ein, woraufhin der Entwicklungszyklus von neuem beginnt. Der enorme Mehrwert dieses iterativen Ansatzes liegt in der Risikominimierung. Teilergebnisse werden schnell generiert und Korrekturen zeitnah integriert. „Wenn in einem Unternehmen die Zusammenarbeit nicht gut funktioniert, dann wäre das ein guter Zeitpunkt, um es mit edelsprint und Scrum ‚glattzuziehen‘,“ beschreibt Adrian die Entwicklung. Klar definierte Werte wie Kommunikation, volle Transparenz, eine etablierte Fehlerkultur, Selbstreflexion sowie Feedback-Methoden bilden dabei die Basis für agiles Arbeiten. Das funktioniere allerdings besser ohne „Druck von oben“, analysiert er. Deshalb ist das Tool besonders für kleine bis mittelständische Unternehmen, Agenturen und Familienunternehmen mit flachen Hierarchiestufen, einem starken Teamgedanken und einer geringen Anzahl an Teams geeignet. Edelsprint richtet sich aber nicht nur an diejenigen, die bereits Erfahrungen mit Scrum gemacht haben, sondern insbesondere auch an Teams, die Scrum erlernen möchten. Durch die klare Führung innerhalb der Anwendung ist ein Erlernen einfach möglich. Scrum wird hauptsächlich im IT-Bereich eingesetzt, eignet sich aber generell für jegliche Form der Produktentwicklung. Bislang seien viele Scrum-Projekte aber durch mangelnde Transparenz und Kommunikation sowie durch fehlende Selbstorganisation ineffizient. Mehr als achtzig Prozent der Teams, die Scrum nutzen, arbeiteten bisher unproduktiv. Die Folgen seien zu hoher Arbeitsaufwand sowie zu hohe Zeit- und Geldinvestitionen, so Adrian. Um die Scrum-Methode in vollem Umfang zu unterstützen, verzichtet edelsprint auf unnötige Komplexität und ermöglicht größtmögliche Transparenz und Eigenverantwortung durch nicht hierarchische Arbeitsweisen. Klassische Managementpositionen wie der Product Owner oder der Scrum Master arbeiten mit dem Entwicklungsteam auf einer Ebene zusammen. Ein übersichtlicher Aufbau in Form von Karten und die Möglichkeit der räumlichen Anordnung dieser durch „Drag & Drop“, ermöglicht den Nutzenden einen einfachen wie intuitiven Einstieg in das agile Arbeiten mit der Webanwendung. Um die Arbeit zu strukturieren und die Teamarbeit zu optimieren unterstützt edelsprint zudem sämtliche interaktive Meetings in Scrum, wozu die Sprint Planung, Daily Scrum, Sprint Review und Sprint Retrospektive zählen. Klare Meetingstrukturen innerhalb eines vorgesehenen Zeitfensters schaffen für alle Prozessbeteiligten transparente Abläufe und Verantwortlichkeiten. Feedback-Mechanismen helfen bei der Reflexion des Entwicklungsprozesses sowie bei der Identifikation von Optimierungsmaßnahmen, wodurch schneller Erfolge generiert werden können. Dabei lernt die Software das Team immer besser kennen, erkennt Schwachstellen und gibt durch eine integrierte Coachingfunktion in Form einer einfachen Übersicht Tipps und Hilfestellungen. Der sogenannte Scrum-Master, der normalerweise im Unternehmen die korrekte Durchführung der Scrum-Methode und somit effizientes Arbeiten sicherstellt, ist in der Anwendung von edelsprint durch eine KI-basierte Prozessanalyse voll integriert. Kleine bis mittelständische Unternehmen leisteten sich diese Stellen aber häufig nicht, so Adrian. Mithilfe von künstlicher Intelligenz werden Empfehlungen für die Teams ausgesprochen und durch integrierte Coachings unterstützt. Das Know-How liegt in der hohen Benutzungsfreundlichkeit der KI-basierten Anwendung, die das Ergebnis aus 10-jähriger Forschungsarbeit auf dem Gebiet von „Mensch-Computer-Interaktion“ ist.

Aus der Forschung in die Praxis

Adrian beendete 2011 sein Informatikstudium an der Universität Paderborn. Während seiner anschließenden Promotionsforschung auf dem Gebiet der Softwaretechnologie in der ehemaligen Fachgruppe „Mensch-Computer-Interaktion“ unter der Leitung von Prof. Dr. Gerd Szwillus entstand die Idee für das Start-up edelsprint. Er forschte zunächst an zukunftsweisenden Benutzer:innenschnittstellen, sogenannten hochmodernen User Interfaces für kollaborative Arbeitsweisen, und entwickelte benutzungsfreundliche Multitouch-Tische für sechs- bis achtköpfige Teams. Der Wunsch den Schritt in die Selbstständigkeit zu gehen, war schon immer da und verfestigte sich, als Adrian zwei Projektgruppen mit jeweils zwölf Studierenden an der Universität leitete. Hier lernte er 2018 seinen heutigen Co-Founder Christian kennen. Um die Forschungsergebnisse mit großem Marktpotential in ein überzeugendes Geschäftskonzept zu überführen, stellte sich schließlich die Frage nach einem marktreifen Anwendungsszenario als Webanwendung und wie sich die entwickelten Konzepte für agile Scrum-Teams nutzen lassen. Der Prototyp für edelsprint entstand. „Einen komplexen Prozess in eine Anwendung zu übersetzen und diese leicht bedienbar zu gestalten, war eine der größten Herausforderungen für unsere Entwicklung. ‚Usability‘ ist das Schlagwort für einfache Bedienbarkeit“, fasst Adrian zusammen. Mit ihrer Idee wandten sich Adrian und Christian an uns, das Gründungscenter der Universität Paderborn, welches exzellente Forschung, die Förderung von Start-ups und Betreuung gründungsinteressierter Hochschulangehöriger sowie die enge Zusammenarbeit mit der Wirtschaft vereint. Anfang 2019 erhielt das Team eine 21-monatige Förderung im Programm START-UP-Hochschul-Ausgründungen NRW (heute Start-up Transfer.NRW) vom Ministerium für Wissenschaft und Forschung (MIWF) des Landes Nordrhein-Westfalen in Höhe von 240.000€. Bei der Antragsstellung für das Förderprogramm wurden sie von unseren Coaches beraten und unterstützt. Mit dem Projektstart bezogen sie ihr Büro in der garage33 und profitieren seitdem von der Expertise und dem Netzwerk des TecUP. „Wir schätzen den Kontakt zu den anderen Start-ups in der garage33. Der gegenseitige Austausch und die gute Infrastruktur im TecUP sind ein echter Benefit“, so die Gründer. Aufgrund des stetig wachsenden Start-up-Ökosystems und einer aktiven Gründer:innenszene sei Paderborn genau der richtige Standort, um das Geschäftsmodell weiter voranzutreiben. Einige Monate nach dem Einzug in die garage33 nahm das Team von edelsprint an dem durch uns initiierten OWL Start-up Pitch 2019 teil, der junge Innovator:innen mit gestandenen Unternehmer:innen aus der Region vernetzt. Daraufhin folgten erste Gespräche mit Investor:innen. Die nun anschließende Förderung Gründerstipendium NRW des Ministeriums für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen (MWIDE) mit einer Laufzeit von einem Jahr soll die innovative Geschäftsidee weiter vorantreiben.

Rasante Entwicklung seit dem Markteintritt

Seit Mitte Dezember 2020 ist edelsprint online. Innerhalb von vier Wochen hat das Start-up eine zweistellige Kundenanzahl gewinnen können und vertreibt die Anwendung fortan als „Software as a Service“, also als Monats- beziehungsweise Jahres-Abonnement. Zu den Kunden zählen kleine und mittelständige Unternehmen, Agenturen und Start-ups ebenso wie eine weiterführende Schule aus der Region. Besonders erfreut ist das Team von edelsprint darüber, im Bildungsbereich Fuß zu fassen. „Mit der Digitalisierung der Schulen wächst auch die Bereitschaft für die Verwendung eines neuen Tools. Selbstorganisiertes Arbeiten und Lernen wird zukünftig noch stärker Einzug erhalten. Daher ist der Bildungsbereich ein vielversprechender Markt für uns“, so Adrian. Aufgrund des nutzungsfreundlichen und -zentrierten Fokus von edelsprint entwickelt sich die Software fortwährend, abhängig vom Kund:innenfeedback, weiter. So garantieren die Gründer, dass immer an den wichtigsten Dingen gearbeitet wird. Eine voll ausgereifte Entwicklung und ein perfekt integriertes Coaching seien nur einige der durchweg positiven Kund:innenmeinungen, resümiert Adrian den erfolgreichen Start. „Das erfreulichste Feedback kam von einem renommierten Scrum-Master, der mir sagte, er hätte nie geglaubt, dass man den agilen Arbeitsprozess so ‚sauber‘ in einem Tool abbilden könne.“ Eine Herausforderung ist der Vertrieb, da es in Unternehmen üblicherweise bereits gewachsene Strukturen beziehungsweise genutzte Anwendungen gibt. Ein möglicher Vertriebsweg seien daher neben klassischem Online-Marketing auch Zertifizierungsstellen für Scrum sowie Kooperationen mit Beratungsunternehmen. Erste Gespräche sind bereits geführt worden.

Insbesondere kleinere Unternehmen und Einsteiger:innen profitieren von dem klaren und einfachen Aufbau der Webanwendung „edelsprint“

Unser Team blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück



Seit 2014 setzen wir uns als Gründungszentrum der Universität Paderborn für die Sensibilisierung und die Stärkung des Themas Existenzgründung in der Region Ostwestfalen-Lippe (OWL) ein und verstehen uns als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Wissenschaftliche Expertise soll in erfolgreiche Geschäftsmodelle übersetzt werden. Trotz der Coronakrise verzeichnen wir ein wachsendes und aktives Start-up-Ökosystem. Die Anzahl der Coachings und Erstgespräche mit jungen Innovator:innen konnte im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt werden.

Individuelles Coaching-Programm für junge Innovator:innen

Kreativen Köpfen wird im Freiraum der garage33 die Infrastruktur für erfolgreiche Gründungen geboten. Diese besteht nicht nur aus der Vernetzung und dem Austausch von Gründer:innen und gestandenen Unternehmer:innen sowie dem Zugang zu Wachstumskapital und Gründungsstipendien, sondern auch aus diversen Qualifizierungsangeboten und Start-up-Coachings. Ziel des Coaching-Programm ist es, jungen Ideengebenden eine strukturierte Begleitung vor und während des gesamten Gründungsprozesses anzubieten. Persönliches Feedback zur Gründungsidee sowie individuelle Beratung rund um die Themen Businessplanerstellung und Finanzierung gehören zu den Kernaktivitäten unserer Coaches im TecUP. „So ein Erstgespräch dauert in der Regel eine Stunde. Am Ende machen wir eine Art Follow-up, also wie soll es weiter gehen?! Dann vereinbaren wir meist direkt einen Folgetermin und gehen je nach Status der Idee und der Gründung weiter vor. Was will der Gründer oder die Gründerin überhaupt? Einen Förderantrag? Unterstützung? Ins Netzwerk? Dementsprechend planen wir die nächsten Schritte“, beschreibt Arthur Hartel, Leiter unseres Gründungscoaching, den typischen Ablauf beim Coaching.

Wachsende Kennzahlen

Anfang 2019 erhielt die Universität Paderborn als eine von insgesamt sechs Universitäten in Nordrhein-Westfalen den Zuschuss für den Aufbau eines Exzellenz Start-up Centers (ESC.NRW). Mit einem Projektvolumen von 20 Millionen Euro möchte die Universität Paderborn eine nachhaltige Gründungskultur etablieren und sich zu einem Leuchtturm für Gründungsvorhaben in der Industrie 4.0 entwickeln. Wir vom TecUP haben uns vor allem zum Ziel gesetzt, die Zahl der B2B-Gründungen in enger Kooperation mit der Wissenschaft und der technologieorientierten Wirtschaft in der Region OWL massiv zu steigern. Im Rahmen der ESC.NRW Förderung konnte unser Team stark vergrößert werden. Aktuell betreuen wir 54 Teams, wovon 20 Teams einen eigenen Arbeitsplatz in der garage33 haben. Im Vergleich zum Vorjahr konnte die Anzahl der Coaching-Gespräche von 501 auf 1008 Gespräche mehr als verdoppelt, im Vergleich zu 2015 mit 118 Coachings sogar mehr als verachtfacht werden. Seit 2015 werden es bis Ende dieses Jahres insgesamt über 2600 geführte Coaching-Gespräche sein. Auch die Kennzahlen zum Fördervolumen für Gründer:innen sind mit 2,1 Millionen Euro in 2020 erfreulich. Durch die Programme Gründerstipendium NRWSTART-UP-Hochschul-Ausgründungen NRWEXIST-Gründerstipendium und EXIST-Forschungstransfer beträgt das Fördervolumen seit 2016 insgesamt sogar 6,5 Millionen Euro. Seit 2015 verzeichnen wir 77 Hochschulausgründungen mit über 300 neu geschaffenen Arbeitsplätzen in der Region.
Gründer:innen sitzen um einem Tisch in der garage33
„NRW Startup Monitor 2020“: Universität Paderborn unter den Top Fünf

Anfang Dezember stellten Prof. Dr. Andreas Pinkwart, Wirtschafts- und Digitalminister Nordrhein-Westfalens und Christian Miele, Präsident des Bundesverbandes Deutsche Startups e.V. die Ergebnisse des NRW Startup Monitors 2020 vor. Dieser wird vom Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen beauftragt und vom Startup-Verband herausgegeben. Unter allen Hochschulen belegte die Universität Paderborn mit der wachsenden Anzahl der Hochschulausgründungen den vierten Platz. Auch deutschlandweit zählt die Universität Paderborn zu den 25 Hochschulen mit den meisten Ausgründungen.

Ein junges Unternehmen auf Erfolgskurs

Das Jungunternehmen partworks, eCommerce-Spezialist für Oldtimer-Ersatzteile, hat sich zum diesjährigen 5-jährigen Jubiläum über besondere Neukunden freuen können. Im Geschäftsjahr 2020 wurde das Unternehmen durch seine Reproduktionen von nicht mehr verfügbaren Ersatzteilen zum Lieferanten mehrerer großer Automobilhersteller. „Die neuen Kundenbeziehungen sind ein großes Lob für die Arbeit unseres jungen Teams“, äußerte sich Geschäftsführer Richard Kortenbruck. „Es zeigt uns, dass wir hinsichtlich Marktrelevanz und Qualitätsmanagement auf dem richtigen Weg sind.“ Das Kerngeschäft besteht jedoch weiterhin aus der Belieferung von Nischenprodukten an private Endkund:innen auf der ganzen Welt. Mit über 50% Exportanteil liefert das Unternehmen über Vertriebspartner viel in die USA, Australien sowie europäische Nachbarländer. Nur so kann das Unternehmen Nischenbauteile vermarkten, die für einen rein nationalen Vertrieb nicht wirtschaftlich wären. Über die Zusammenarbeit mit den Automobilherstellern lassen sich auch investitionsintensivere Reproduktionen realisieren. Die Konzerne schätzen die Flexibilität und das Tempo von jungen Firmen wie partworks. Den Durchbruch hat nach eigener Einschätzung aber die Modell-Expertise gebracht. „Es gibt viele gute Firmen, die technische Produkte entwickeln und produzieren könnten. Wo wir die Automobilhersteller aber unterstützen können, ist mit der Nähe zum Verbraucher und Expertise bei den älteren Fahrzeugen“, so Kortenbruck.

Ausgründung der Universität Paderborn

Was für den Gründer in 2012 als Nebentätigkeit begann, wurde in 2015 nach dem Abschluss eines Dualstudiums Maschinenbau beim Paderborner Automobilzulieferer Benteler zum Vollerwerb. Begonnen hat die Leidenschaft für Kraftfahrzeuge schon auf dem elterlichen Hof, wo die Restauration eines alten Porsche 944 die Leidenschaft für die Zuffenhausener Sportwagen weckte. Von Anfang an mit dabei war Richards Schwester Marie Kortenbruck, ebenfalls der Universität Paderborn zugehörig und Studentin der Sportwissenschaften. Heute ist Marie neben ihrem Studium Gesamtverantwortliche für die Bereiche Finanzen, Personalmanagement und Einkauf. Durch die handwerklichen Arbeitsbereiche und die hohe vertikale Integration, kann das Unternehmen studentische Praktikumsplätze mit viel Abwechslung anbieten. Zudem ist die partworks GmbH seit Anfang 2020 auch IHK-Ausbildungsbetrieb für den Berufszweig eCommerce-Kaufmann. Die Nähe zur Universität ist ein großer Vorteil. Im technischen Bereich bietet das Unternehmen beispielsweise wissenschaftliche Abschlussarbeiten unter Betreuung der Universität Paderborn an. Auch der Austausch mit Prof. Dr. Rüdiger Kabst sowie Prof. Dr. Sebastian Vogt von unserem Gründungszentrum, dem TecUP, sind für das Team sehr hilfreich. Marie und Richard schätzen die garage33 besonders als Plattform zum Austausch mit eifrigen, innovativen Unternehmensgründer:innen.

Marie und Richard Kortenbruck

Unternehmensziele

Seit den Anfängen von partworks „aus dem WG-Zimmer“ ist die Belegschaft auf nunmehr 14 Kolleginnen und Kollegen angewachsen. Streng nach der Unternehmensmission „We help people to keep their bestie running.“ arbeiten die meisten Kolleg:innen in den Geschäftsbereichen Service/Vertrieb sowie IT und Produktmanagement. Mit nun über 4800 Lagerstellplätzen hat das Unternehmen seinen Flächenbedarf im Krisenjahr 2020 verdoppelt und investiert aktuell rund 1 Million Euro Eigen- und Fremdkapital in die Portfolioerweiterung. Mittelfristig sucht das Unternehmen einen größeren Standort im Raum OWL um seine Marktrelevanz im Oldtimer-Ersatzteilgeschäft auszubauen. Neben Lagererweiterung ist insbesondere eine Intensivierung von Entwicklung und Konstruktion geplant. Langfristig plant das Unternehmen die Erschließung weiterer Ersatzteil-Nischen wie der historischen Luftfahrt und Landtechnik.

Das Team „Excellence Coatings“ wird von Expertenjury für eine Förderung im Programm EXIST-Forschungstransfer empfohlen

Mit ihrer Existenzgründungsidee einer langanhaltenden wasser- und schmutzabweisenden Oberflächenbeschichtung ist es dem Team um David Wedegärtner, Deniz Dogan und Sven Wauschkuhn gelungen, sich für eine Förderung im Programm EXIST-Forschungstransfer des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) und des Europäischen Sozialfonds (ESF) zu empfehlen. Der Förderumfang während der zweijährigen Projektphase umfasst 800.000 Euro. Das Programm fördert herausragende forschungsbasierte Gründungsvorhaben, die mit risikoreichen und aufwändigen Entwicklungsarbeiten verbunden sind. Hierbei soll die Entwicklung bisheriger Forschungsarbeiten vorangetrieben, Prototypen hergestellt und getestet, der Businessplan ausgearbeitet und schließlich das Unternehmen gegründet werden. Es ist das zweite Mal, dass ein Team der Universität Paderborn die Jury des renommierten Programms EXIST-Forschungstransfer überzeugen konnte und dies stellt die bisher höchste Fördersumme dar. Unterstützung bekamen sie dabei von uns, dem TecUP.

Innovative wasser- und schmutzabweisende Oberflächenbeschichtung

Begonnen hat alles im Wintersemester 2009/2010 während ihres Chemiestudiums an der Universität Paderborn. Hier lernten sich David und Deniz kennen und freundeten sich schnell an. Den Bachelor absolvierten die beiden im Studiengang „Chemie und Technologie der Beschichtungsstoffe“ (CTB), im Master spezialisierten sie sich auf Kunststofftechnik im Studiengang „Polymere Materialien und Prozesse“ (PMP), der Chemie und Maschinenbau kombiniert. Seit Anfang 2016 promovieren David und Deniz auf dem Gebiet der technischen Chemie im Arbeitskreis von Prof. Wolfgang Bremser am Lehrstuhl für „Coatings, Materials & Polymers“ (CMP) der Universität Paderborn. Die Spezialisierung auf Beschichtungssysteme ist deutschlandweit einzigartig und der Arbeitskreis CMP aufgrund der hervorragenden fachlichen Infrastruktur renommiert. David promoviert in der im Arbeitskreis integrierten Nachwuchsforschungsgruppe „Biobased & Bioinspired Materials“ von Prof. Oliver Strube an einer strukturierten Beschichtung mit Hilfe von Enzymen. Prof. Wolfgang Bremser war der Ideengeber für Deniz Forschung, die im Bereich des „Antifouling“ liegt. Durch Antifoulings soll dem Ansiedeln von Mikroorganismen, Pflanzen oder Tieren am Rumpf von Schiffen entgegengewirkt werden. Der „Biofouling-Prozess“ an Schiffsrümpfen soll mit einer giftfreien, geeigneten Beschichtung mit einem mikrophasenseparierenden System verhindert werden. Ein Patent wurde bereits angemeldet. Hieraus entstand schließlich die Idee zur Entwicklung ihres Produktes. Ihre Forschungsergebnisse tragen die beiden seit nunmehr fünf Jahren zusammen.

Mit dem Programm START-UP-Hochschul-Ausgründungen.NRW konnten sie sich bereits eine Landesförderung in Höhe von 240.000 Euro sichern. Dieses Vorhaben wurde aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert. Im Dezember läuft diese anderthalbjährige Förderung aus. Unter dem Projekttitel „Microdomes“ entwickelten David und Deniz bereits eine innovative Oberflächenbeschichtung. In einem Langzeittest wurde diese validiert. Der „Proof of Principle“, also die Durchführbarkeit des Vorhabens, konnte schon bewiesen werden.

Die nun anschließende Förderung im Programm EXIST-Forschungstransfer soll unter dem Projekttitel „Nanodots Waterline“ laufen. Der Projektstart ist für März 2021 geplant. Dann hat das Team 24 Monate Zeit, um die technische Realisierbarkeit hoch zu skalieren und in die bestehenden Beschichtungsprozesse zu integrieren. Momentan können nur bis zu 15 Liter des Lacks in einem Arbeitsgang hergestellt werden. Das soll sich zukünftig ändern: „Was im kleinen Labormaßstab funktioniert, gelingt nicht auf einmal in einem riesigen Reaktor“, beschreibt David die Herausforderung in der Herstellung großtechnischer Mengen.

Der Kern der Innovation ist die wasser- und schmutzabweisende Wirkung der Beschichtung bei gleichzeitig hoher mechanischer Beständigkeit. Die Chemiker entwickeln eine Hybridbeschichtung, indem sie zwei Beschichtungsklassen kombinieren, die nur schwer zu kombinieren sind. „Als ich anfing, an dem Thema zu forschen, war der allgemeine Konsens, dass es nicht funktionieren wird“, so Deniz. Das Besondere an ihrer Entwicklung ist die Mikrostrukturierung des Silikons im Lack, das die funktionale Komponente bildet. Den Lack bezeichnen sie als High-Tech-Produkt. Die Laborarbeit erfordert große Sorgfalt und exakte Dokumentation. Funktionale Beschichtungen im Bereich von „Easy-to-clean“ und „Antifouling“ haben bislang den Nachteil, mechanisch unbeständig zu sein. Zudem sind sie nicht nur schwierig aufzubringen, sondern auch sehr teuer. Daher entwickelt das Team ein Lacksystem, das genauso aufgetragen werden kann wie herkömmliche Lacke und das vom Kosten- und Nutzenverhältnis akzeptabel ist. Der wasserbasierte Klarlack härtet je nach Anwendungsfeld sowohl bei Umgebungstemperaturen als auch bei hohen Temperaturen in Einbrennsystemen aus. „Das Produkt kann viel und hat in vielen Märkten Potential“, beschreibt David die Entwicklung und erklärt weiter „Wir sind im Bereich der funktionalen Beschichtung. Sobald es um funktionale Beschichtungen geht, geht man immer einen Kompromiss ein. Unsere Entwicklung bietet aber den Grundschutz plus weitere Funktionen.“ In dem durch das TecUP initiierten Workshop „Where to play“ Anfang dieses Jahres bestätigte sich die Annahme, dass das Potential für den innovativen Lack in vielen Märkten zu finden ist, wie beispielsweise im Straßenbau, im Wasserbau sowie im Bereich der Haustüren- und Fassadenversiegelungen. Im Automotive-Bereich Fuß zu fassen ist das langfristige Ziel des Teams.

Gründerteam will Geschäftsfeld erweitern

Ende September gründete das Team die „Excellence Coatings GbR“, die Mitte nächsten Jahres in eine GmbH überführt werden soll. Im Juni erweiterten die beiden Chemiker ihr Team um Sven Wauschkuhn, der aktuell seinen Master in Betriebswirtschaftslehre an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf abschließt. Über Tim Hosch, Gründungscoach unseres TecUP Teams, fanden die drei zusammen. „Viele Start-ups kommen aus den Naturwissenschaften oder technischen Bereichen und sind auf der Suche nach BWLern. Mit diesem Wissen und dem Wunsch, in die Selbständigkeit zu gehen wandte ich mich ans TecUP“, erklärt Sven. Er komplementiert das Gründerteam und wird die betriebswirtschaftlichen Projektaufgaben übernehmen. Weitere Unterstützung erhält das Team durch die Einstellung einer technischen Mitarbeiterin.

Bereits jetzt arbeiten sie mit einem Pilotkunden aus der Wirtschaft zusammen, dem Hersteller für Premiumhaustüren OBUK aus Oelde, den sie beliefern. Die zweijährige Förderung soll tiefergehende Entwicklungsarbeiten an dem Produkt ermöglichen, um das Geschäftsfeld zu erweitern und neue Kunden zu akquirieren. Je nach Anwendungsgebiet muss dafür der Lack optimiert, angepasst und in eine marktreife Produktlinie für unterschiedlichste Kunden überführt werden. „Es gibt bereits jetzt sehr starke Interessensbekundungen aus verschiedenen Bereichen der Wirtschaft, die an einer Zusammenarbeit interessiert sind und uns ihre Unterstützung im Projekt und beim Scale-up zusicherten“, so die Teammitglieder. Ein Pilotprojekt mit einem strategischen Partner aus dem Automotive-Bereich, der PPG Hemmelrath Lackfabrik GmbH, ist bereits in Planung. Dabei soll validiert werden, ob das Produkt den erhofften Mehrwert für den Kunden generiert. Zudem müssen diverse DIN-konforme Test zur Qualitätssicherung durchgeführt werden. Nach Ablauf der Förderung soll das Start-up der drei Gründer weiterwachsen, um wettbewerbsfähig zu sein und das innovative Lacksystem auch Großkunden anbieten zu können. Venture Capital ist hierbei ein interessantes Finanzierungsmodell. Bis zum offiziellen Projektstart im März möchten David und Deniz ihre Promotionen und Sven seine Masterarbeit beenden.

Unterstützung bei der Antragsstellung für die Förderung im Programm EXIST-Forschungstransfer erhielten die Wissenschaftler durch unsere Coaches. Bereits während ihres Chemiestudiums entstand der Wunsch, ihre Forschungsergebnisse in die Praxis zu überführen. „Probleme so zu lösen, wie wir das wollen, das Unmögliche möglich machen und sein eigener Chef sein“, beschreibt Deniz die Entscheidung, den Schritt in die Selbstständigkeit zu gehen. Im April 2019 bezogen die beiden Chemiker ihr Büro in der garage33, dem Gründungsinkubator des TecUP. Hier werden Gründerinnen und Gründer unterstützt, ihre innovativen Ideen vom Prototyp bis hin zur Marktreife zu entwickeln. Mit unseren Gründungs-Experten feilten sie an ihrer Projektidee und deren wirtschaftlicher Realisierbarkeit, erstellten mithilfe des Coaching-Programms einen Businessplan, um dann ihr Start-up auszugründen. „Die Coaches haben uns wirklich geholfen und geformt. Besonders zu nennen ist hier Arthur Hartel. Er stand uns immer zur Seite“, resümiert Deniz die bisherige Zeit in der garage33. Offenes Feedback, unkomplizierte und schnelle Hilfestellungen sowie der Austausch und die Gemeinschaft machten diesen Ort so besonders. Auch perspektivisch sehen sie ihren Platz im Gründungscenter der Universität Paderborn. „Wir hoffen, dass wir in dem geplanten MakerSpace im neuen Gebäude Start-up-Campus.OWL mittelfristig mit unseren Laborgeräten unterkommen“, so David.

Das innovative Geschäftsmodell bietet großes Wachstumspotential und könnte schon bald die Lackindustrie revolutionieren. 

Stillsitzen können die drei Gründer auch in ihrer Freizeit nicht. Sven spielt seit seiner Kindheit Tennis und ist zudem ehrenamtlich aktiv. Deniz praktiziert seit sieben Jahren die chinesische Kampfkunst Wing Tsun, die ihn auch charakterlich sehr geprägt hat. „Der Kampfsport ist ehrlich. Nur wenn du trainierst wirst du auch gut. Hier habe ich gelernt, dass nichts unmöglich ist.“

Jahrelange Erfahrung in der Selbstständigkeit bringt David mit, der als Zauberkünstler in der Region bekannt ist. „Egal ob Chemie oder Zauberei: beides verstehen die Leute erstmal nicht“, sagt er und lacht. Aufgrund der pandemischen Lage ist es momentan still um die die Zauberei. Genug zu tun hat das Team in den nächsten Jahren aber allemal.

Das Team von Excellence Coatings in der Arena der garage33
Chinkilla und JackBock erhalten das Gründerstipendium.NRW

Im Rahmen des Gründerstipendium.NRW fand vergangene Woche die jüngste Jurysitzung statt. Dieses Mal setzte sich die Jury aus Prof. Dr. Rüdiger Kabst, wissenschaftlicher Leiter des TecUP, Prof. Dr. Sebastian Vogt, Geschäftsführer des TecUP, Dr. Isabelle Milz, Leiterin Transferscouting, Arthur Hartel, Tim Hosch und Kian Malucha, Gründungscoaches des TecUP sowie Stefan Bölte, Investmentmanager des Technologiefonds OWL zusammen. Chinkilla und JackBock konnten sich das begehrte Gründerstipendium mit einer Laufzeit von einem Jahr in Höhe von 12.000 € pro Person sichern. 

Dani und Sarah von Chinkilla in sportswear auf dem Sportplatz

Mit den Gründerinnen Sarah und Dani von Chinkilla zieht nun geballte Frauenpower in die garage33. Chinkilla kombinieren mit ihrer Geschäftsidee Bootcamps und Kampfsport-Events sowie eine eigene Modelinie für Kampsport- und Lifestylebekleidung. Beide haben langjährige Kampfsport- und Fitnesserfahrung, die sie gekonnt in ihr Start-up einbringen. Ihr Kundinnenversprechen ist eindeutig. „Kleidung mit einer Message. Kleidung mit Attitüde. Kleidung für Frauen, ohne Schnickschnack.“ Im Januar dieses Jahres haben sie gegründet und auch ihr Onlineshop wurde bereits gelauncht. Die Ziele für das kommende Jahr haben die zwei Gründerinnen schon abgesteckt: Der Ausbau der eigenen Modelinie sowie das Auspfeilen des Geschäftsmodells durch intensives Coaching in der garage33 stehen ganz vorne an.

Stefan Asche steht vor weißer Wand

Ein völlig anderes, aber ebenso vielversprechendes und innovatives Geschäftsmodell ist JackBock. Um Young- und Oldtimern einen schonenden Winterschlaf zu bescheren, hat sich der Maschinenbauabsolvent der Universität Paderborn Stefan Asche eine Lösung einfallen lassen. Durch sein duales Studium bei Benteler bringt er bereits Praxiserfahrung aus der Automobilindustrie mit. Vom Einzug in die garage33 verspricht er sich, bei seiner Gründung von der Expertise des Netzwerks profitieren zu können.

Ein Zugewinn für die garage33 sind definitiv beide Teams! Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit und blicken gespannt nach vorne. Sicherlich werden wir zukünftig noch einiges von den hochmotivierten Gründer:innen erfahren und gemeinsam Erfolge feiern!

Investmentmanager Stefan Bölte erzählt vom Technologiefonds OWL

Stefan Bölte ist bereits seit 2017 Investmentmanager bei EnjoyVenture, das Fondsmanagement des Technologiefonds OWL. Zuvor hat er 12 Jahre Berufserfahrung in der Bankenwelt gesammelt: zunächst bei der Sparkasse Paderborn-Detmold, anschließend in Münster. Dort hat er Sparkassen dabei beraten, sich im Firmenkundengeschäft vertriebsstrategisch aufzustellen. Seine Berührungspunkte mit der Existenzgründung führten Stefan schließlich zurück nach Paderborn. Hier sitzt er nun als Teil des EnjoyVenture Teams im TecUP ganz nah am Gründungsgeschehen.

Stefan, wie sieht dein Arbeitsalltag aus? Was genau sind deine Aufgaben?

Meine Aufgabe hier ist zum einen die komplette Betreuung des aufgebauten Portfolios im regionalen Technologiefonds OWL – wir sind aktuell an acht Unternehmen beteiligt – zum anderen aber auch die Neuakquise. Der Dealflow, also sich neue Teams angucken, prüfen, entscheiden, ob sie interessant für uns sind und, ob wir in detailliertere Prüfungen reingehen sowie diese dann auch zu organisieren, nimmt ebenfalls einen großen Umfang ein.

Was genau ist denn eigentlich der Technologiefonds OWL? Was steckt dahinter und wie funktioniert diese Form des Beteiligungskapitals?

Der Technologiefonds OWL ist ein klassischer Frühphasen-Investor. Wir investieren in junge Unternehmer:innen, die eine spannende Idee oder Technologie haben. Klassisch ist es dann so, dass wir von der Idee überzeugt sind und durch unser Investment Mitgesellschafter werden und Anteile an dem Unternehmen bekommen. Ziel ist es, die Idee und schließlich das Unternehmen groß zu machen. In einer frühen Phase lernen wir die Teams kennen und steigen entsprechend früh ein. Gemeinsam mit dem Team gehen wir die Reisen dann für einen gewissen Zeitraum zusammen. Was mit Venture Capital aber immer einhergeht ist, dass die gemeinsame Reise befristet ist: So versuchen wir dann gemeinsam mit dem Team einen Exit zu organisieren.

Durch die Fundraising-Phase des Technologiefonds OWL sind knapp 20 Millionen Euro zusammengekommen. Die Geldgeber sind dabei ganz unterschiedlicher Herkunft: Von institutionellen Kapitalgebern, bis hin zu einem Privatinvestor stecken auch ganz unterschiedliche Motive dahinter, die Investmentmanager Stefan Bölte nun seit 2017 seine Arbeit mit dem regionalen Fonds ermöglichen.

Als Obergrenze nennt ihr ein Investment von 2 Millionen Euro. Gibt es umgekehrt auch eine Untergrenze für eine Finanzierung? Wie entscheidet ihr über die Höhe?

Es gibt formell keine Untergrenze. Die übliche Ticketgröße für das Erstinvestment liegt bei ungefähr 500.000 Euro. Das kann auch mal ein bisschen mehr oder weniger sein. „Wohl fühlen“ wir uns ab etwa 350.000 Euro, da bei weniger Investment die Kosten-Nutzen Kalkulation nicht mehr passt: Der Aufwand, den wir für 500.000, 750.000 oder eben für 350.000 Euro betreiben, ist fast exakt der gleiche. Dann schauen wir als Erstes, was das Start-up für einen Kapitalbedarf hat und wie bzw. mit welchen Investoren dieser gedeckt werden kann. Und schließlich muss man schauen, wie und ob man zusammenpasst. Bei Investmentbedarf von 100.000 Euro macht Venture Capital meist wenig Sinn. Andersrum, wenn jemand 10 Millionen Euro als Investment braucht, sind wir auch nicht unbedingt der passende Geldgeber.

Du sagtest ja bereits, dass der Technologiefonds OWL ein regionaler Fonds ist. Wie unterscheidet sich das Start-up Ökosystem in OWL von anderen Ökosystemen? Und wie bewertest du die Entwicklung der Region?

Wir erleben Ostwestfalen-Lippe seit 2017 – seit es den Fonds gibt – sehr munter und gut fortgeschritten. Klar gibt es Berlin oder München, die schon sehr weit sind, aber OWL ist da auf einem guten Weg zumindest aufzuholen. Auf nationaler Ebene ist man hier gut unterwegs, auch was die Aktivitäten des Systems angeht. Durch den Gewinn des Exzellenz Start-up Centers in OWL ist da nochmal eine andere Dynamik reingekommen. Ein Bonus in OWL ist auf jeden Fall die Vernetzung der Start-ups miteinander, aber auch mit dem Kunden vor allem im Bereich B2B. Durch die Premium Partner des TecUP kann man als Gründer:in schon sehr nah am Markt entwickeln.

Was sind in deinen Augen entscheidende Faktoren eines Start-ups mit Zukunftspotential?

Zum einen die Innovativität und Klarheit des Geschäftsmodells, zum anderen, welche Personen hinter dem Start-up stecken und, ob das Team unternehmerisch unterwegs ist. Ist das Team komplementär aufgestellt oder sind nur Softwareentwickler Teil des Start-ups? Man braucht eben immer eine Verlinkung zum Markt. Die kann man natürlich auch im Laufe der Zeit noch einstellen, das muss das Team aber wollen. Ein Sales Experte oder Business Developer kann eine ganz neue Perspektive einbringen, die auch mal unbequem sein kann. Das kann zu Konflikten im Team führen. Aber ein gutes Team will diese Konflikte, denn es geht ja am Ende darum, dass möglichst viele Kunden bereit sind, Geld für das Produkt zu bezahlen. Da muss sich ein Team hin entwickeln.

Das Investment in junge Unternehmen ist oftmals mit großen Risiken verbunden. Nach welchen Kriterien entscheidet ihr, ob ein Start-up das Eingehen dieses Risikos wert ist?

Indem wir uns über folgende Punkte Gedanken machen: Sind die Gründer:innen schon am Markt unterwegs? Falls das nicht der Fall ist, wie weit ist der Weg, um am Markt aktiv zu sein? Funktioniert das Unternehmen so, dass es auch eine marktwirtschaftliche Sichtweise bekommt oder ist es reine Technologieentwicklung? Zweiteres ist in der Regel schwieriger. Wir suchen eher Themen, die auch einen gewissen Markterfolg vermuten lassen. Entsprechend schauen wir dann nach Finanzkennzahlen und Metriken. Wichtig ist aber auch, ob es ein Vertriebsmodell gibt und wie dieses funktioniert. Das muss man alles miteinander abwägen.

Ihr habt ja auch bei uns schon investiert. Welche Start-ups, die in der garage33 großgeworden sind, konntet ihr bisher mit eurem Fonds unterstützen?

Das erste Investment, das wir als Fonds gemacht haben, war in das Unternehmen StudyHelp von TecUP. Da gab es noch nicht einmal die garage33 und TecUP war noch ganz klein mit drei Büros unterwegs. Außerdem haben wir in Unchained Robotics investiert, die auch aktuell noch hier in der Förderung sind.

Gibt es auch ein Team, bei dem du es heute bereust, dass ihr nicht investiert habt?

Ja… das sogenannte Angstportfolio. Gerne hätte ich in AMendate investiert. Da waren wir auch auf der Zielgeraden, aber dann hat sich das Managementteam entschieden den Weg ohne Investment zu gehen und direkt den Exit zu machen. Und dann gibt es noch zwei, drei andere Start-ups, in die wir gerne investiert hätten, wo es dann aber aus verschiedenen Gründen nicht geklappt hat. Natürlich gibt es aber auch jetzt gerade sehr interessante Start-ups in der garage33, die wir unter die Lupe nehmen.

Du bist meistens in deinem Büro im TecUP. Gibt es etwas, dass dir an der Gründer: innen-Mentalität in der garage33 besonders gefällt und andersherum gefragt vielleicht auch etwas, dass dir bisher fehlt?

Die Vernetzung der Gründer:innen und der Alumnis untereinander funktioniert schon ziemlich gut. Das hat aber auch noch mehr Potenzial. Auch die Vernetzung in die Region hinein ist vorbildlich. Sowas ist sehr wichtig, damit man gegenseitig von Fehlern lernt aber auch Erfolge zusammen feiert. Das ist schon ein besonderer Spirit, finde ich. Jetzt ist es gerade aber durch die Pandemie natürlich sehr schwer, die ganzen Community-Events zu machen, die es früher schon gab. Da muss man neue Angebote schaffen und vieles ausprobieren, was das TecUP ja bereits macht. Ansonsten hoffen wir natürlich, dass wir bald zur „Normalität“ zurückkehren können und der Austausch wieder persönlicher wird, dass man sich abends einfach auf ein Bier treffen und über das Geschehen in der Start-up Welt austauschen kann.

Ihr seid nicht nur Kapitalgeber für Gründer:innen. Welche Unterstützung können Start-ups noch von euch erwarten?

Dadurch, dass es EnjoyVenture seit 20 Jahren gibt, haben wir ein buntes Netzwerk von anderen Investoren, von Rechtsanwälten und Steuerberatern. Wir haben aber auch generell viel Erfahrung, was die erfolgskritischen Themen sind, um Unternehmen so relevant zu machen, dass jemand Drittes nachher bereit ist, dafür auch einen attraktiven Preis zu bezahlen. Ich glaube da können wir auf verschiedenen Ebenen mithelfen. Wir treten stark als Sparringspartner auf mit einem breiten Erfahrungsschatz, um die Teams bei der Weiterentwicklung zu unterstützen.

Das klingt nach einer vielseitigen Unterstützung. Vielen Dank, Stefan, dass du uns all unsere Fragen beantwortet hast.

WEITERE FRAGEN?
Hier erfährst du mehr!
Gründungscoach Arthur klärt Fragen rund ums Coaching auf

Um offene Fragen zum Thema Coaching zu klären, haben wir uns mit Gründungscoach Arthur zusammengesetzt und ihn mit Fragen gelöchert. Arthur ist bereits seit Juni 2017 im TecUP Team, kurz nachdem die garage33, unser Co-Working und Eventspace, eröffnet hat. Da er selbst Gründungserfahrung mitbringt und die Kombination aus Universität, Start-ups und Forschung als besonders spannend empfindet, hat es ihn zu TecUP gezogen. Er selbst war einst Teil eines Start-ups im Bereich der Softwareentwicklung und möchte heute Ausgründungen aus der Universität, hinter denen oftmals viel Potenzial steckt, unterstützen. Vom Erstgespräch bis zur Ausgründung begleitet Arthur bereits seit über drei Jahren Gründerinnen und Gründer beim TecUP…

Arthur, wann bzw. für wen lohnt sich in deinen Augen ein Coaching-Erstgespräch?

Im Prinzip lohnt es sich für jeden, der eine Idee hat und gerne darüber reden würde. Das Coaching Gespräch ist kostenlos und unverbindlich und oft kann man die eigene Idee schon nach dem ersten Austausch weiterentwickeln. Am besten ist, die Gründungsinteressierten melden sich einfach über das Kontaktformular auf der Homepage, per E-Mail oder Anruf und dann vereinbaren wir einen Termin. Alternativ kann man auch einfach Dienstagsmorgens zwischen 9 und 11 Uhr in der freien Sprechstunde vorbeikommen. Dabei ist erstmal jeder eingeladen, egal mit welcher Idee er oder sie kommt. Unser Fokus liegt aber auf den technologie- und wissensbasierten Innovationen.

Und wie würde so ein Erstgespräch dann ablaufen?

Also wir stellen uns, die garage33 und TecUP, natürlich erstmal vor. Wir erklären, was wir machen, vor allem aber auch was wir nicht machen. Manche haben nämlich die Vorstellung, dass wir Steuerberater oder Rechtsanwälte sind – das sind wir natürlich nicht. Wenn wir uns vorgestellt haben ist es so, dass die Gründer:innen sich und ihre Idee vorstellen. So ein Erstgespräch dauert in der Regel eine Stunde. Am Ende machen wir eine Art Follow-up, also wie soll es weiter gehen?! Dann vereinbaren wir meist direkt einen Folgetermin und gehen je nach Status der Idee und der Gründung weiter vor. Was will der Gründer oder die Gründerin überhaupt? Einen Förderantrag? Unterstützung? Ins Netzwerk? Dementsprechend planen wir die nächsten Schritte.

Und wie bekommt man dann einen Platz bei uns in der garage33? Also nicht jeder, der ein Erstgespräch hat, bekommt ja auch automatisch ein Büro gestellt.

Im Co-Working ist erstmal jeder eingeladen – das ist überhaupt kein Problem. Ein Büro in der garage33 ist allerdings immer an ein Förderprogramm gebunden. Also nur wer in einem Förderprogramm ist, dem können wir zur Zeit ein Büro zur Verfügung stellen. Und zum Glück haben wir aktuell genug Kapazitäten – zum einen hier in der garage33, vor allem aber nebenan im Technologiepark 6 – um allen Teams mit Förderprogrammen auch ein Büro bieten zu können. Da ist dann auch die Nutzung der Konferenzräume inklusive. Das ist für die meisten Gründerinnen und Gründer schon viel wert.

Und das war nicht immer so, erzählt Arthur, denn TecUP hat sich in den vergangenen Jahren stark vergrößert. Mit den sechs Büros in der garage33 und den anfänglich wenigen zusätzlichen Büroflächen, wurde es vor 2-3 Jahren auch manchmal knapp und die Teams mussten sich zum Teil ein Büro teilen. Doch das hat der Stimmung nie einen Abbruch getan, denn das Ganze hier ist ja auch eine Gemeinschaft …

Der größte Vorteil ist der Austausch untereinander, also die Coaching Gespräche, der Austausch mit Netzwerkpartner:innen, aber auch die Kommunikation mit anderen Gründer:innen. Die meisten haben einfach ähnliche Probleme und da kann man mal eben schnell fragen „Wie machst du das denn? Welche Ideen hast du? Welche Tipps hast du?“. Man muss nur anklopfen und kann schnell an Informationen kommen. Das ist natürlich ein riesiger Vorteil gegenüber einer Gründung alleine im stillen Kämmerlein.

Du hattest ja eben schon von Förderprogrammen gesprochen: Die Umsetzung einer Idee in die Realität kostet in der Regel viel Geld. Welche Möglichkeiten bieten sich den Gründer:innen beim TecUP, ihre Idee zu finanzieren?

Wir unterstützen viele Start-ups mit Förderprogrammen. Das fängt an mit dem Gründerstipendium.NRW, geht über das EXIST-Gründerstipendium und das EXIST Forschungstransfer Stipendium, bis hin zum START-UP Transfer.NRW. Es gibt aber auch Teams, die einfach über Bootstrapping, also nur mit den eigenen Einnahmen immer weiterkommen. Aktuell haben wir ein Team, das eine Kickstarter-Kampagne startet. Die andere Möglichkeit ist natürlich auch über Business Angels oder über Venture Kapital, also das Netzwerk, das wir in dem Bereich haben, an Kapital zu kommen.

Da bieten sich ja viele Möglichkeiten. Aber wie findet man am Anfang eigentlich heraus, ob die eigene Businessidee gut ist?

Das ist eine gute Frage. Ob wir Coaches eine Idee gut finden oder nicht, ist erstmal egal. Also ich glaube das Wichtigste ist, dass man mit der Idee möglichst frühzeitig rausgeht und validiert, mit ganz vielen Leuten spricht, mit potenziellen Kunden spricht. Denn die wissen ja am besten, ob sie etwas kaufen wollen oder nicht. Und wenn man die ganze Zeit alleine vor sich hin entwickelt und erst dann damit an den Markt geht, hat man vielleicht ein tolles Produkt, aber stellt schnell fest das will überhaupt keiner kaufen. Also die Leute müssen reden, reden, reden. Manchmal muss man erst ein bisschen testen, um voranzukommen. Am Ende entscheidet immer der Markt, ob die Idee gut ist oder nicht.

Okay, ein gutes Produkt, die Meinung von potenziellen Kunden – das ist die eine Sache. Und was ist deiner Meinung nach essenziell, um sich dann als Start-up auch behaupten und langfristig positionieren zu können?

Das Team! Das ist das Allerwichtigste. Das Team muss sich möglichst früh klarwerden, was sie eigentlich wollen. Was ist ihre Vision? Wo wollen sie hin? Ziehen alle am gleichen Strang? Die meisten Gründungen – das lässt sich auch empirisch belegen – scheitern am Team. Das Team muss eine gemeinsame Vorstellung haben von dem, was sie machen. Es ist natürlich auch möglich alleine zu gründen. Aber man wächst ja als Start-up im Idealfall auch relativ schnell. Und dann kann man nicht alles alleine machen: Vertrieb, Marketing, Entwicklung. Da muss ich mir dann ein Team suchen und ich glaube das ist meistens der schwierigste Teil: die passenden Teammitglieder zu finden, mit denen man auch eine Vertrauensbasis aufbaut und die gemeinsame Vision dann natürlich auch pflegt. Ich sage immer, das ist wie heiraten: Man heiratet ja auch nicht den ersten Mann oder die erste Frau, den oder die man auf der Straße trifft. Ähnlich ist es bei der Teamfindung. Und wenn das Start-up richtig gut läuft, arbeiten die ja auch 60 Stunden in der Woche zusammen und das muss dann ja irgendwie passen. Wir versuchen beim TecUP aber auch bei der Teamfindung zu unterstützen durch Teammatching Events, Stellenbörsen, etc.

Klar, so ein Team muss gut funktionieren und an einem Strang ziehen. Aktuell in der Pandemie gestaltet es sich natürlich ziemlich schwer, zusammentreffen zu vereinbaren, um potenzielle Teammitglieder kennenzulernen. Wie läuft es denn momentan mit den Coachings? Merkt ihr durch Corona einen Unterschied zu vorher?

Am Anfang hatten wir auf jeden Fall deutlich mehr zu tun. Gerade im März und April hatten wir so viele Erstgespräche wie noch nie. Da hat sich alles geballt, da „brannte die Bude“. Einige waren in einem Angestelltenverhältnis und hatten plötzlich Zeit, sich ihren eigenen Ideen zu widmen. Zum Teil sind sie bis heute bei uns im Coaching. Über den Sommer ist die „Flut an Erstgesprächen“ dann etwas abgeflaut, aber man merkt schon, dass auch jetzt wieder mehr Erstgespräche zustande kommen. Das hängt ja auch eng mit der Wirtschaft zusammen: Wenn die wirtschaftliche Entwicklung gut ist, geht die Anzahl der Start-ups eher zurück. Das war ja auch in den letzten 4 bis 5 Jahren der Fall. Wenn dann das Wirtschaftswachstum abnimmt, sind die Leute eben auch eher motiviert, selbst zu gründen.

Danke Arthur für das aufschlussreiche Gespräch.

Wir hoffen, dass wir vielleicht auch deine Motivation durch das Interview etwas steigern konnten, einfach mal vorbeizukommen. Mach gerne einen Termin bei uns aus, lass dich beraten und finde heraus, wohin der Weg dich führt…

NEUGIERIG GEWORDEN?
Komm zu uns ins Coaching!
Vernetzung junger Gründerinnen und Gründer mit Investorinnen und Investoren der Region

Am Abend des 30. Oktober fand der OWL Start-up Pitch erstmalig in digitalem Format statt. Zusammen mit der Sparkasse Paderborn-Detmold brachten wir im sechsten Jahr Start-ups aus Ostwestfalen-Lippe mit potenziellen Investor:innen zusammen, um jungen Gründer:innen die Möglichkeit zu bieten, sich mit Unternehmer:innen zu vernetzen. 

Sieben Start-up Teams hatten mit ihrem im Vorfeld aufgezeichneten Pitch die Chance, die rund sechzig regionalen Business Angels, Venture Capitalists, Unternehmerinnen und Unternehmer von ihrer Geschäftsidee zu überzeugen. Moderiert wurde das Event von unserer Veranstaltungsmanagerin Carola Pense und unserer Netzwerk Managerin Carla Duitmann live aus der garage33.

Nach einer erfolgreichen ersten Pitchrunde mit den Start-ups Vaira, steets und derioXR ergriff Prof. Dr. Rüdiger Kabst das Wort und überreichte im Rahmen der Veranstaltung das Qualitätslabel „Unternehmensgründung aus der Universität Paderborn“ an die AMendate GmbH. Hiermit zeigte sich die Universität Paderborn für das Engagement im Rahmen der Gründungsförderung sowie für das innovative Geschäftsmodell im Bereich Softwareentwicklung und Generative Gestaltung mit Vorbildfunktion gegenüber der AMendate GmbH erkenntlich. Dr. Thomas Reiher, Mitbegründer des Unternehmens, nahm den Preis stellvertretend für das vierköpfige Team entgegen, welches über einen Monitor live zugeschaltet wurde. AMendate, selbst in der garage33 groß geworden, hatte bereits 2018 an dem OWL Start-up Pitch teilgenommen.

„Es gibt viele Studierende und Promotionsstudierende mit guten Ideen, die jahrelang an einer Idee arbeiten, die letztlich aber in der Schublade landet. Wir haben uns damals mit unserer Geschäftsidee Hilfe im TecUP geholt und sind in der garage33 gut beraten und gecoached worden. Als wir auf der Investorensuche waren und schließlich mit unserem Mutterkonzern ins Gespräch kamen, konnten wir das Erlernte aus den Pitches in weiteren Diskussionen gezielt anwenden. Das hat gut funktioniert.“

Im Anschluss an die zweite Pitchrunde mit den Teams von VanSite, Cellgo, Relity und Langlauf Security Automation wurden die Investor:innen eingeladen, sich mit den Start-ups in digitalen Räumen auszutauschen.

Wir freuen uns über einen insgesamt reibungslosen Ablauf und ein digitales Format, das hervorragend angenommen wurde. Daher möchten wir uns abschließend noch einmal bedanken. Einen Dank möchten wir allen Teams aussprechen, die am Event teilgenommen und sich wacker den Fragen des Publikums gestellt haben. Ebenso danken wir dem Technikteam, das mit seiner Expertise die digitale Umsetzung überhaupt möglich gemacht hat, allen Unterstützer:innen aus dem TecUP Team, allen Zuschauer:innen und natürlich der Sparkasse Paderborn-Detmold sowie im Besonderen Hubert Böddeker und Udo Neisens als Unterstützung vor Ort. Ein ganz besonderer Dank gilt Carla und Carola dafür, dass sie dieses Event auf die Beine gestellt haben.

„Mit den Gedanken hier und den Füßen ganz wo anders.“

Ein Kind der garage33 – so nennt Gründer Mladen Milicevic sich selbst. Denn er war von Anfang an dabei, als hier alles begann. Doch wie kam es eigentlich zu Unchained Robotics?

„Langfristig, das sagt der Name schon – Unchained Robotics – möchten [wir] die industrielle Automatisierung von ihren starren Strukturen befreien.“ Mladen Milicevic erzählt im Video, wie er und seine Mitgründer die Idee zu ihrem Start-up Unchained Robotics entwickelt haben, welche Erfolge sie schon erreicht haben und wo die Reise noch hingehen soll.

Unchained Robotics Logo

„Natürlich geht es in die große weite Welt, aber mit dem Headquarter in Paderborn. Das heißt mit den Gedanken hier und den Füßen ganz wo anders.“

(© Cargoboard)

Ein Interview mit Gründer Richard Kleeschulte

Vor etwa zwei Jahren nahmen Richard Kleeschulte und seine drei Mitstreiter Artur Nachtigal, Lukas Petrasch und David Port am Disrupt Workshop mit der CargoLine beim TecUP in der garage33 teil. Mit dem Ziel, ein digitales Geschäftsmodell für die Logistikbranche der Zukunft zu entwickeln, haben Sie eine digitale Plattform für Stückguttransporte aufgebaut. Heute – zwei Jahre später – sitzt das mittlerweile dreizehnköpfige Team bereits im eigenen Büro und blickt auf ein enorm erfolgreiches, erstes Geschäftsjahr zurück. Wir haben mit Richard Kleeschulte gesprochen, um zu erfahren, was seit dem Beginn in der garage33 passiert ist.

Richard, du bist Teil des Start-ups Cargoboard. Erzähl doch einfach mal: Wer seid ihr? Was genau macht ihr?

Cargoboard ist im Grunde eine digitale Spedition. Wir sind hier in der garage33 entstanden und haben am 1. April letzten Jahres gegründet. Cargoboard stellt gewerblichen Versendern eine Plattform zur Verfügung, über die Stückguttransporte angefragt und gebucht werden können. Wir agieren nicht aus der Position eines Vermittlers oder eines Preisvergleichs-Portals, sondern als Erstspediteur und Vertragspartner. Somit übernehmen wir den kompletten Service und unterstützen unsere Kunden weit über den Buchungsprozess hinaus. Durch diese Nähe zum Kunden können wir unsere internen Prozesse immer weiter verbessern, was letztlich unseren Kunden zu Gute kommt.

Du hast erzählt, dass ihr Cargoboard mit vier Co-Foundern gegründet habt und mittlerweile ein dreizehnköpfiges Team seid. Was würdest sagen, zeichnet euer Team aus?

Ich glaube, was unser Team am meisten auszeichnet, ist, dass wir einen tollen Teamspirit haben und alle an einem Strang ziehen. Das heißt, dass sich alle zu 100% mit Cargoboard identifizieren und sich für jeden Kunden maximal ins Zeug legen. Das zahlt sich am Ende natürlich aus.

Wie kam es zu der Idee, Cargoboard zu gründen? Und welche Rolle hat die garage33 bzw. TecUP für euch gespielt?

Ausgangspunkt für die Idee zu Cargoboard war letztlich ein Corporate Workshop mit der CargoLine, einem Verbund mittelständischer Speditionsunternehmen, im Sommer 2018 hier in der garage33. Die Ausgangsfragestellung war: „Wie sieht Logistik, Spedition, Transport von morgen aus?“ und „Was könnten hier für digitale Geschäftsmodelle entwickelt werden?“. In diesem zweitägigen Workshop ist die Idee zu Cargoboard entstanden. In der Vergangenheit musste man als Kunde bei einer lokalen Spedition Preise mithilfe verschiedener Preistabellen zusammenrechnen. Wir haben uns dann überlegt, einen Preisrechner zu schaffen, über den Gewerbetreibende Sendungen anfragen können. Im Laufe der Entwicklung hat sich dann immer mehr herauskristallisiert, dass die reine Preisermittlung zwar wichtig ist, aber dass es da nicht aufhört und wir eigentlich den kompletten Prozess digitalisieren sollten. Besonders wichtig ist uns der Kundenfokus. Wir versuchen immer, das Versanderlebnis und den Bestellprozess noch einfacher, noch intuitiver zu gestalten und einen besseren Kundenservice zu bieten.

Innerhalb von einem Jahr ist bei euch sehr viel passiert. Welche Erfolge, welche Meilensteine konntet ihr bereits verbuchen?

Wir haben innerhalb der ersten 9 Monate nach der Gründung einen siebenstelligen Umsatz erzielt. In diesem Jahr werden wir einen mittleren bis hohen siebenstelligen Umsatz fahren. Auch bei den Kundenzahlen haben wir gerade einen neuen Rekord geknackt mit über 7000 registrierten Kunden. Was uns auch sehr freut ist, dass wir insgesamt schon über 500 Online-Bewertungen haben und mit 4,9 Sternen, die am besten bewertete Spedition in Deutschland sind.

Hat sich seit der Ausgründung für euch etwas verändert – als Team, als Unternehmen -im Vergleich zu eurer Anfangszeit hier beim TecUP?

Es kommen täglich neue Aufgaben hinzu. Wir waren am Anfang schon fünf Leute und mussten uns erstmal einfinden und schauen wie zum Beispiel der Service abgewickelt wird. Dann galt es die Aufgaben abzugeben und ein Team aufzubauen und einzuarbeiten. Mit steigender Teamgröße sinkt zwar der Arbeitsaufwand im Tagesgeschäft allerdings erhöht sich der administrative Aufwand. Die Zeit in der garage33 war sehr geprägt vom Prinzip „entwickeln, testen, ausprobieren“. Das können wir jetzt nicht mehr in der Intensität. Unser Büro hilft uns, uns noch mehr auf unser Business zu konzentrieren, dafür fehlt aber manchmal der Austausch an der Kaffeemaschine mit anderen Gründern und Gründerinnen.

Gibt es irgendeinen schönen oder erfolgreichen Moment, der euch besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Ein echtes Highlight war auf jeden Fall der Einzug ins eigene Büro. Einfach, weil wir uns dort super wohl fühlen und die Aussicht auf den Marienplatz einmalig ist. Dann gibt es natürlich auch einige Meilensteine, die wir uns vorher gesetzt haben, wie zum Beispiel der erste Tag mit 100 Aufträgen. Aber auch einige unserer ersten Sendungen sind uns noch sehr in Erinnerung geblieben. Ich denke da an eine Sendung, die in der Sylter Fußgängerzone abgeholt werden musste. Da ging alles schief, was nur schief gehen konnte. Aber am Ende hatten wir eine zufriedene Kundin und unsere erste positive Rezension.

Ihr seid ja Tochter der CargoLine – Wie profitiert ihr von den Erfahrungen der CargoLine und wie profitiert die CargoLine von euch?

Die CargoLiner sind Profis in ihrem Bereich und haben ein großes und etabliertes Stückgutnetzwerk, welches als eines der besten in Deutschland gilt. Es ist auf jeden Fall von Vorteil, ein namenhaftes Logistik-Netzwerk hinter sich zu haben, das eine sehr gute Qualität liefern kann. Das ist für uns ein sehr wichtiger Wachstumsfaktor. Auf der anderen Seite profitiert die CargoLine auch von uns. Mit Cargoboard hat die CargoLine ein Start-up an der Seite, das komplett digital aufgestellt ist. Insbesondere im Bereich der digitalen Prozesse oder dem Online-Marketing kann die CargoLine von unseren Erfahrungen profitieren.

Und welche kurzfristigen Ziele verfolgt ihr mit dem Team momentan?

Wir wollen in diesem Jahr vor allem noch die ersten Schritte in der Internationalisierung gehen. Auch wenn der deutsche Logistikmarkt im Stückgut riesig ist und wir diesen lange noch nicht abschöpfen, erhoffen wir uns durch die Internationalisierung zusätzliche Netzwerkeffekte. Außerdem möchten wir unsere Plattform noch offener gestalten. Es gibt zum Beispiel mittlerweile auch mehrere Schnittstellen zu unserer Plattform und wir überlegen jetzt, wie wir diese sinnvoll für unsere Kunden einsetzen können. Im Fokus stehen hier vor allem Online-Shop Betreiber.

Wollt ihr denn langfristig mit eurem Headquarter in Paderborn bleiben oder überlegt ihr noch andere Standorte aufzubauen?

Ob wir noch andere Standorte aufbauen, müssen wir im Zuge der Internationalisierung prüfen. Zunächst versuchen wir aber erstmal noch aus Paderborn zu managen, da gibt es ja auch mittlerweile viele Möglichkeiten. Wir sind mit unserem Hauptstandort hier sehr zufrieden und planen nicht, diesen zu verlegen.

Vielen Dank für das Gespräch, Richard.