Zukunftsweisendes Konzept für die schnelle und nachhaltige Modernisierung des Altbaubestandes

Es ist eine Mammutaufgabe von weltweiter Bedeutung: Die Luft soll sauberer und das Klima besser geschützt werden. Beim Weltklimagipfel in Paris wurde beschlossen, die Treibhausgase zu verringern und die Erderwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter auf mindestens 1,5 Grad Celsius zu beschränken. So weit, so gut. Doch um die ambitionierten Ziele zu erreichen, sind Taten nötig. Um das gesetzte Ziel Deutschlands, bis zum Jahr 2050 rund 80 bis 95 Prozent weniger Treibhausgase auszustoßen als noch im Jahr 1990, muss der Gebäudebestand bis dahin nahezu klimaneutral sein. Jedoch wird es bei der aktuellen Sanierungsrate von etwa einem Prozent pro Jahr voraussichtlich noch einhundert Jahre dauern, bis der Gebäudealtbestand in Deutschland renoviert ist. Um dieser ambitionierten wie nötigen Forderung gerecht zu werden, hat sich das Team von ENERVATE zum Ziel gesetzt, eine nachhaltige und schnelle Transformation des Gebäudealtbestands zu erreichen. Konkret heißt das, den alten Gebäudebestand in energieeffiziente Smart-Home-Gebäude mit einem hohen Anteil erneuerbarer Energien am Wärmeverbrauch seriell zu sanieren.

Intelligente Thermofassade

Alte Bestandsgebäude seriell in moderne und effiziente Smart Homes umzuwandeln – dieser Herausforderung stellt sich das junge Team von ENERVATE. Dafür sollen alte Gebäudefassaden in einen thermischen Speicher umgewandelt werden. Flächenheizungen in Form von Hardware-Elementen werden dabei auf die Außenfassade des Gebäudes implementiert. Die Technologie von ENERVATE nutzt dafür die Massivität des alten Mauerwerkes, um diese mit thermischer Energie aus Erneuerbaren Energien aufzuheizen oder zu kühlen. Durch eine intelligente, börsenpreisoptimierte Steuerung der Wärmepumpe erlaubt die Speicherfähigkeit der Außenwandfassade eine Ausnutzung von überschüssig produzierten Erneuerbaren Energien. Erneuerbare Energien sind volatil. Durch die üblichen Schwankungen bei der Stromerzeugung entstehen starke Preisschwankungen beim Energiepreis. Sobald Überschüsse an Erneuerbaren Energien in den Markt fließen und somit der Preis für diese sinkt, wird der Überschuss-Strom durch die zukunkftsweisende Technologie von ENERVATE in Form von thermischer Energie in der Außenfassade gespeichert. Eigens dafür entwickelte thermische Heiz- und Kühlmodule sollen dafür die Außenfassaden der sanierungsbedürftigen Gebäude einkleiden. Die dadurch entstehenden, großflächigen, seriell skalierbaren und modular angelegten Heizplatten arbeiten mit einer Wärmepumpe, welche es ermöglicht, auf längst überholte Energiespender wie Öl- oder Gasheizungen zu verzichten. Eingespeist wird die dafür benötigte Energie ausschließlich aus erneuerbaren Energiequellen. So integriert das energetische Sanierungskonzept von ENERVATE, neben dem gesteigerten Wohnkomfort, bereits jetzt eine nachhaltige und intelligente Flexibilitätsoption, welche die zukünftigen Herausforderungen hinsichtlich der Wechselwirkungen von notwendigen Speicherkapazitäten durch den steigenden Anteil an Erneuerbaren Energien, steigender Volatilität und steigender Netzbelastung adressiert.

Sozialunternehmertum für die Zukunft

Seit 2018 arbeiten Jona Vogel, Betriebswirtschaftler, und Amir Giebel, Umweltingenieur, bereits an ihrer Entwicklung. Die Idee verfestigte sich während des Moduls „Green Start-up Academy“  welches wir in Kooperation mit dem Unternehmen Weidmüller GmbH & Co. KG durchführen und darauf abzielt, unternehmerisches Denken bei den Studierenden in Bezug auf die Reduktion des CO2-Ausstoßes zu fördern. Mit ihrer innovativen Geschäftsidee ging  das Team im Rahmen der abschließenden Pitch-Veranstaltung als Sieger hervor. „Wir versuchen eine Technologie zu entwickeln, die sowohl ökologisch als auch ökonomisch langfristig Bestand hat. So möchten wir einen Beitrag dazu leisten, die Klimaziele und den Klimaschutz maßgeblich zu unterstützen“, erklärt Jona die Vision des jungen Gründerteams. Anschließend beschlossen die beiden, ihre Ergebnisse als Hochschulausgründung in die Industrie zu überführen. Mittlerweile haben die beiden Gründer ihr Team um Andreas Fischer, Diplom Elektrotechniker und Spezialist für die Bereiche Software, IT und Programmierung, erweitert.

Nach der erfolgreichen Konzept-Demonstration in einem Pilotprojekt soll nun die Technologie bis zur Marktreife weiterentwickelt und der Nachweis über die Skalierbarkeit des Sanierungs- und Modernisierungskonzepts mit der intelligenten Thermofassade demonstriert werden. Für ihr Projekt erhielten die beiden Wissenschaftler Anfang dieses Jahres eine Förderung im Programm START-UP transfer.NRW vom Ministerium für Wissenschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie (MWIDE NRW) des Landes Nordrhein-Westfalen. Bei der Antragsstellung wurden sie durch unseren Gründungscoach Arthur beraten. Die 12-monatige Förderung in Höhe von 240.000 Euro soll durch die Nutzung von Forschungs- und Entwicklungsressourcen die Entwicklung von Dienstleistungen, Verfahren oder Produkten hin zur Marktreife vorantreiben und den als Fördervoraussetzung vorgelegten Businessplan für die nachfolgende Gründungs- und Wachstumsphase weiterentwickeln. Von Beginn an wurde das Team durch uns unterstützt und profitiert seitdem von der Expertise zu allen gründungsrelevanten Themen sowie von unserem starken Netzwerk. Mit dem Projektbeginn bezogen sie ihr eigenes Büro bei uns in der garage33, von dem aus sie ihre innovative Geschäftsidee sowohl unter strategisch-operativen als auch technologisch-wissenschaftlichen Gesichtspunkten weiterentwickeln.

ENERVATE Logo

DEVITY entwickelt anwendungsfreundliches Gesamtkonzept für das Identitätsmanagement im Internet of Things (IoT)

Verlässliche Cybersicherheit ist Voraussetzung für einen nachhaltigen Erfolg der Industrie 4.0 – sensible Daten und Geschäftsgeheimnisse von Unternehmen müssen auch im digitalen Zeitalter geschützt sein. Die Digitalisierung des Mittelstandes, auch hinsichtlich zukünftiger Trends wie künstliche Intelligenz und Robotik, ist auf dem Vormarsch. Um die IT-Sicherheit im industriellen Umfeld zu gewährleisten, ist eine Erfassung und Verwaltung digitaler und maschineller Identitäten von großer Bedeutung. Jedoch sind Industrieanlagen häufig schlecht konfiguriert, beispielsweise durch unsichere Methoden wie Standardpasswörter. Zudem sind effektive Sicherheitsmethoden oft zu komplex und daher wenig anwendungsfreundlich. Das Team hat sich dieser Herausforderung gestellt und eine ganzheitliche IT-Sicherheitslösung entwickelt, die kleinen und mittelständischen Unternehmen den Schutz von IoT-Geräten einfach ermöglicht und somit die Absicherung digitaler Identitäten gewährleistet. Als Absolventen der in den Bereichen Informatik und Betriebswirtschaftslehre bringen die beiden Gründer Sven Uthe und Christoph Milder komplementäre Kompetenzen ein. Forschungsergebnisse der Teammitglieder im Bereich Kryptografie, Rechnernetze und hardwarebasierter Sicherheit bilden die Basis für die Technologie. Der Informatiker Sven forschte zunächst zwei Jahre lang auf dem Gebiet der IoT-Sicherheit und feilte an einer Entwicklung für ein anwendungsfreundliches Gesamtkonzept für das IoT-Identitätsmanagement. Mit der Konkretisierung des Vorhabens suchte der Ideengeber schließlich einen Mitstreiter für den betriebswirtschaftlichen Teil. Im Frühjahr letzten Jahres beschlossen die beiden, ihre Ergebnisse als Hochschulausgründung in die Industrie zu überführen.

Basisschutz für IoT-Sicherheit

Im übertragenen Sinn sind sichere, digitale Identitäten vergleichbar mit einem Personalausweis. Diese müssen von einer vertrauenswürdigen Stelle, der Zertifizierungsstelle für digitale Zertifikate, ausgestellt werden. So können beispielsweise intelligente Geräte durch einen öffentlichen Schlüssel Unternehmen oder Personen zugeordnet werden. Bisher war es für den Maschinenbau eine große Herausforderung, die digitalen Zertifikate von der Zertifizierungsstelle zu erhalten, die digitalen Identitäten an die Endbetreiber:innen weiterzugeben und die Besitzer:innenrechte von Maschinen zu transferieren. KEYNOA heißt die entwickelte flexible Softwarelösung, die das Einspielen von digitalen Identitäten für intelligente Geräte im Internet of Things vereinfachen soll und den Prozess für die Einrichtung in eine IoT-Plattform abseits von Smart Home automatisiert. Die innovative Software spielt dem Gerät während des Produktionsprozesses eine eindeutige Identität auf und sorgt mit der Plattform dafür, dass die vertrauenswürdige Weitergabe der Identitäten entlang der Wertschöpfungskette ermöglicht wird. So können bei den Endbetreiber:innen Geräte in hoher Anzahl sicher mit der IoT-Plattform verbunden werden. Die Einstellungen von den Gerätekonfigurationen wird mit KEYNOA für alle Geräte generisch und simultan ermöglicht, sodass der Mehraufwand für die manuelle Konfiguration einzelner Geräte sowie die Verwaltung der Identitäten entfällt und automatisiert wird. Die ganzheitliche IT-Sicherheitslösung ermöglicht somit eine schnelle und sichere Bereitstellung von IoT-Geräten.

Unterstützung durch die „garage33“ 

Von Beginn an wurde das Team durch unseren Gründungsinkubator unterstützt. Seitdem profitieren die Gründer von der Expertise der Coaches zu allen gründungsrelevanten Themen sowie von unserem starken Netzwerk. Was im kleinen Kreis in unserem Coworking-Space und einer einjährigen Förderung durch das Gründerstipendium.NRW begann, ist mittlerweile zu einem interdisziplinären und internationalen, sechsköpfigen Team herangewachsen. Zwei weitere Mitarbeitende werden im April dazukommen. Für ihr Projekt erhielten die beiden Wissenschaftler Anfang dieses Jahres eine Förderung START-UP transfer.NRW vom Ministerium für Wissenschaft und Forschung (MIWF) des Landes Nordrhein-Westfalen und der Europäischen Union. Die 12-monatige Förderung in Höhe von 240.000 € soll durch die Nutzung von Forschungs- und Entwicklungsressourcen die Entwicklung von Dienstleistungen, Verfahren oder Produkten hin zur Marktreife vorantreiben und den als Fördervoraussetzung vorgelegten Businessplan für die nachfolgende Gründungs- und Wachstumsphase weiterentwickeln. Individuelle Betreuung und Mentoring erhält das Team zudem durch Prof. Dr. Eckhard Koch und Prof. Dr. Willi Nüßer von der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW), die sowohl Branchenexpertise als auch Erfahrung in der Betreuung von Start-ups einbringen. 

Online-Seminar für interessierte Unternehmen

Das Gründungsteam hat einen guten Zugang zu den regionalen Herstellern und Forschungsinstitutionen im Bereich des Industrial IoT. In einem gemeinsamen Online-Seminar mit dem Fraunhofer IOSB-INA in Lemgo präsentiert das Team von DEVITY am 22. April von 9.30 Uhr bis 11.30 Uhr seine innovative Technologie. In einer Live-Demonstration wird einem breiten Publikum gezeigt, wie digitale Identitäten in verschiedene IoT-Plattformen integriert werden. Die Veranstaltung richtet sich an Unternehmen im Bereich der industriellen Produktion. Die Teilnahme an dem Online-Seminar ist kostenlos. Anmeldungen sind möglich unter: Sichere Identitäten für Automatisierungssysteme nach IEC 62443 – Digital in NRW (digital-in-nrw.de)
Mit der DENIOS AG aus Bad Oeynhausen als Pilotpartner, einem Spezialisten für Umwelttechnik und Gefahrstofflagerung, arbeitet das junge Team bereits erfolgreich zusammen. „Wir schätzen die unkomplizierte Zusammenarbeit mit DEVITY. Das Team bringt viele neue Ideen und innovative Technologien für unsere Produkte ein“, erklärt Udo Roth, Projektmanager der DENIOS AG. 

Wir wünschen DEVITY weiterhin viel Erfolg, freuen uns auf die weitere gemeinsame Reise mit dem Team und sind gespannt auf alles, was noch folgt!

Die Gründer Sven Uthe und Christoph Milder von DEVITY
Daniel Weiner vom Start-up StudyHelp erzählt von Höhen und Tiefen des Gründer-Daseins

Für unsere #TecUPTalks sprechen wir für gewöhnlich persönlich mit unserem Interviewpartner. Aufgrund der Lockdowns musste unser Gespräch diesmal via Zoom stattfinden. Trotz der Distanz war unsere Unterhaltung aber keinesfalls weniger spannend…

Gründer Daniel Weiner war bereits bei der Geburtsstunde des TecUP im Jahr 2014 mit dabei. Nachdem er schon ein Jahr zuvor neben dem Masterstudium gemeinsam mit seinem Kommilitonen Carlo Oberkönig das Start-up StudyHelp gründete, ging irgendwie alles ganz schnell: Mit Crashkursen für Studierende gestartet, weiteten Sie ihr Angebot schnell auch auf Abitur-Ebene aus. Heute sind sie Marktführer in ihrem Bereich.

Interview mit Daniel

Daniel, du bist der Gründer von StudyHelp und gehörst zu den „alten Hasen“ der TecUP Alumnis, noch bevor es überhaupt die garage33 gab. Erzähl doch erstmal was von dir und deinem Start-up: Was ist dein Background? Wie kam es zu der Idee, StudyHelp zu gründen, und was steckt eigentlich dahinter?

Ich bin Daniel Weiner, 32 Jahre, einer der Gründer und Geschäftsführer von StudyHelp. Ich habe in Paderborn Wirtschaftsingenieurwesen mit Maschinenbau studiert. Im Studium ist mir als Tutor für Mechanik aufgefallen, dass die jungen Studierenden immer wieder zu mir kamen und gefragt haben “Daniel, kannst du das nochmal erklären?”. So ist damals auch die Idee entstanden: Wir haben immer versucht, die Inhalte auf Augenhöhe zu erklären. Im Rahmen der SIGMA Veranstaltung am Lehrstuhl von Prof. Dr. Kabst haben wir dann damals auch einen Businessplan geschrieben. Und dann habe ich damals zu Carlo gesagt: “Carlo, wenn wir jetzt schon so viel Zeit und Energie in diese Ausarbeitung stecken, dann müssen wir es auch in die Tat umsetzen.” Und dann haben wir die Arbeit über StudyHelp abgegeben. Dafür haben wir nur eine 2.0 bekommen, daran erinnere ich mich noch, denn das hat mich damals sehr geärgert, da ich nie so viel Arbeit ins Studium gesteckt habe, wie in diesen Businessplan.

Was macht StudyHelp denn besonders? Es gibt ja mittlerweile unzählige Apps, die dir das Lernen erleichtern sollen. Was kann StudyHelp, was die nicht können?

Wir sind der Anbieter, der online und offline kombiniert. Das ist schon etwas Besonderes. Wir haben mittlerweile eine Hybridlösung für Abitur-Intensivkurse, ein Verlagsgeschäft und Nachhilfe. Um das mal an einem Beispiel zu erklären: Bei uns gibt es nicht nur das Buch, sondern bei uns gibt es ein Buch mit QR-Codes, die führen dann zu YouTube Videos von beispielsweise bekannten Mathe-YouTubern. Wir arbeiten mit den größten Influencern der Bildungsbranche: Mit Lehrerschmidt mit 800.000 Followern haben wir jetzt den nächsten großen YouTuber für uns gewonnen. Das unterscheidet uns von vielen anderen Wettbewerbern. Wir gehen die neuen Wege, um unsere Produkte zu vermarkten. Zudem haben wir bereits 50 Verlagsprodukte auf den Markt gebracht. Wir haben also ein sehr vielfältiges Geschäft, weil es auch einfach nicht möglich ist, mit nur einem Produkt groß zu skalieren. Wir mussten Angebote von der 5. Schulklasse bis zum Studium schaffen, um überhaupt auch nennenswerte Umsätze machen zu können.

Gegründet habt ihr bereits 2013, bevor es das TecUP gab, das im Jahr 2014 entstand. Wie seid ihr dann schließlich auf das TecUP gestoßen?

2013 waren wir noch eine GbR. Ich hatte dann gegoogelt, ob es in Paderborn Angebote für Gründer:innen gibt. Das war wahrscheinlich 2014, als das TecUP noch in den Kinderschuhen steckte. So habe ich euch dann auch gefunden. Da stand sogar was mit Büros für Gründer:innen und ich habe direkt gedacht “wie geil ist das denn?”. Ich habe dann direkt eine Mail geschrieben und mich mit unserer Idee bei Prof. Dr. Kabst vorgestellt. Die waren dort anfangs alle sehr skeptisch bezüglich der Skalierung usw., aber anscheinend habe ich einen vernünftigen Eindruck gemacht. So sind wir in den Co-Working Space eingezogen – Manufaktur hieß der glaube ich – und waren mit ActiDoo fast die Einzigen damals. Man hatte uns direkt das Gründercoaching angeboten. Das war für uns total cool, denn wir haben uns damals durch das Studium und Nebenjobs noch nicht 7 Tage die Woche um StudyHelp gekümmert. Und dann hatten wir plötzlich jeden Donnerstag unseren wöchentlichen Anlaufpunkt. Ich habe mich echt die ganze Woche auf Donnerstag gefreut: Da war dann Gründercoaching für StudyHelp. Es ging eine Stunde nur um StudyHelp, es gab einen spannenden Austausch und man hat uns hilfreiche Fragen gestellt und Hausaufgaben mitgegeben. Auch die Manufaktur war für uns ein echter Mehrwert, da wir einfach mal einen Platz hatten, einen eigenen Schlüssel und wir konnten auch Kunden einladen. Und das Netzwerk war natürlich hilfreich. Du musst dir vorstellen, dass man da eigentlich alleine an seinem Projekt arbeitet und das ganze Umfeld sagt zu dir “Was machst du da eigentlich für einen Mist?”. Man hat dann auch immer Zweifel. Aber in der Manufaktur gab es dann andere Gründer, denen es genauso ging wie dir. Das war total motivierend, zu wissen, du bist nicht verrückt, zu wissen, da sind andere und die haben die gleichen Interessen und Probleme.

Daniel & Carlo von StudyHelp
StudyHelp

Seit mehr als sieben Jahren seid ihr nun am Markt. Was hat sich seit euren ersten Schritten getan? Wie habt ihr euch weiterentwickelt?

Wir sind auf Teamseite stark gewachsen: Wir haben 10 Festangestellte, einige Werkstudent:innen und zusätzlich ca. 500 Dozent:innen und Autor:innen. Und unsere Geschäftsmodelle sind gewachsen. Aber ich glaube der größte Reifeprozess war, dass man gerade als Gründer am Anfang natürlich eher der Macher und Visionär ist. Aber man ist kein Manager. Das ist mein größtes Learning: Über die Jahre war es sehr wichtig, dass Carlo und ich als Gründer uns auch zu Managern entwickeln. Denn wenn das Team wächst, dann müssen Strukturen entstehen, Visionen müssen klar sein, Ziele, Erwartungshaltungen, Prozesse… Und ich glaube, dass wir uns als Manager weiterentwickelt haben und damit auch das Team fördern können.

Aber auch sonst hat sich viel getan: Damals haben wir noch in der Manufaktur gearbeitet, heute haben wir eigene Büros. Wir wollen ins Ausland expandieren, denn wir haben mittlerweile drei Geschäftsbereiche mit nennenswerten Umsätzen. Das Bild StudyHelp hat sich im Gegensatz zu dem Kursanbieter damals, wie uns viele noch kennen, zu einem Gesamtpaket entwickelt. Wir sind heute einer der wenigen Bildungsanbieter am Markt, der alles bieten kann – und das in hybrider Form.

Mittlerweile sitzt das Team von Daniel und Carlo in einer roten Villa nahe der LWL Klinik, wo sie zusätzlich ihr neues Projekt „Villa Start-up“ etablieren wollen – eine Villa, in der Gründer und Gründerinnen gemeinsam arbeiten und sich neben dem Business austauschen können. Sieben verschiedene Teams sitzen schon jetzt mit im Gebäude. Doch nicht nur die Villa Start-up erhält dem Team von StudyHelp ihren Start-up Spirit. Daniel ist es enorm wichtig aus Fehlern und Learnings zu profitieren. So ist er vor einigen Jahren der Entrepreneurs‘ Organisation (EO) beigetreten, durch die er vom Erfahrungsschatz der anderen Mitglieder dazulernen kann. Und auch innerhalb Paderborns und durch die garage33 steht er stets in Kontakt mit anderen Teams und trägt seinen Anteil zum Start-up Netzwerk bei. Doch dann kam Corona und der Austausch wurde immer schwieriger. Events wurden zunächst verschoben und fanden dann irgendwann digital statt. Aber nicht nur das Netzwerken wurden zunehmend erschwert: Trotz Home-Schooling und Online-Semester brachen plötzlich die Umsätze ein…

Wir haben sehr viel “vor-Ort-Geschäft”, das jetzt natürlich geschlossen werden musste. Leider gibt es auch keinen nennenswerten Zuwachs im digitalen Geschäft, wie den Webinaren. Die Leute wollen nicht ausschließlich die digitale Lösung. Sie spekulieren dann eher darauf, dass im März der “vor-Ort-Kurs” noch stattfindet und buchen sich eher in den März rein, als jetzt in digitaler Form teilzunehmen. Wir haben jetzt im Januar in unserem Abi-Geschäft tatsächlich Umsatzeinbrüche um mehr als 50%. Wir können es nur kompensieren, da uns durch die Webinare jetzt Kosten wegfallen, weil wir den Raum nicht bezahlen müssen. Zusätzlich können wir die Kurse digital effizienter gestalten. Durch diese Einsparungen kommen wir mit einem blauen Auge davon.

Glück im Unglück sozusagen…. Dann kommen wir mal wieder zu den schönen Dingen: Was war bisher euer größter Erfolg? Woran denkt ihr gern zurück?

Für mich persönlich war trotz allem 2020 auch im positiven Sinne sehr prägend: Zum einen, weil wir trotz der Pandemie den Break-even ganz gut geschafft haben. Das war für mich ein Game-Changer, weil wir vor 2 Jahren bei uns eine riesige Krise hatten. Da gab es keine schönen Erlebnisse. Und dann jetzt, wo alle von der Pandemie betroffen sind, es doch aus eigener Kraft hinzubekommen, ein profitables Jahr über die Bühne zu bringen, das war für mich wirklich schön. Da gehört auch dazu, dass unser Kursgeschäft wieder gestartet ist. Wir wollten wachsen und das haben wir geschafft. Wir haben unseren Verlag ausgebaut und die Nachhilfe ist profitabel geworden. Es war schön zu sehen, dass alle Bereiche jetzt profitieren und auch unser Team so gewachsen ist.

Aber auch in vielen anderen Bereichen konnten wir in der letzten Zeit Erfolge verbuchen: Wir verleihen immer den Bildungsaward und jetzt hatten wir Mario Götze dabei, unseren WM-Torschützen. Zudem arbeiten wir mit dem VfL Wolfsburg der 1. Bundesliga zusammen. Ich bin sehr fußballaffin, deshalb sind das für mich natürlich Highlights. Und jetzt kürzlich haben wir mit 62 Verlagen um den YouTuber Lehrerschmidt konkurriert. Und wir konnten ihn für uns gewinnen! Das hat mir echt gezeigt, wenn solche Leute tatsächlich nur mit uns arbeiten wollen und nicht mit der Konkurrenz, dann machen wir was richtig!

Wie sieht es auf der anderen Seite aus? Du hast kurz eurer Krise angesprochen: Welche Rückschläge musstet ihr einstecken?

Fehler gehören dazu. Ich glaube beim Thema Personal haben wir die größten Fehler gemacht. Wir haben ja damals u.a. vom Technologiefonds OWL ein großes Investment bekommen und dadurch und durch das große Wachstum haben wir stark eingestellt. Wir hatten aber in unserem Geschäftsmodell einen Fehler: Das Kursgeschäft kann jedes Jahr aufs Neue verloren gehen, weil es ein saisonales Geschäft ist. Das haben wir unterschätzt. Und dann ist auf einmal unser wichtigster Marketingkanal, Facebook, weggebrochen. Plötzlich war da keiner mehr aus unserer Zielgruppe. Von heute auf morgen haben wir Umsätze verloren und mussten Mitarbeiter entlassen. Das war für uns die prägendste Phase, weil wenn du immer nur Fortschritte machst und dann plötzlich eine Krise kommt, entstehen Existenzängste. Wir hatten viele schlaflose Nächte. Also dieses ganze Thema Personalführung und eine Unternehmensstruktur aufzubauen ist mein größtes Learning.

StudyHelp

Du hast es gerade schon kurz angesprochen: Ihr wart das erste Start-up aus Paderborn, das eine gemeinsame Investition von Business Angels und dem Technologiefonds OWL erreichen konnte. Wie war das für euch?

Das war eine richtig coole Zeit, weil es auch eine Bestätigung von außen war. Wir hatten dadurch auch viel mehr Möglichkeiten: Zu der Zeit hatten wir nur das Kursgeschäft und konnten dann noch auf das Verlags- und Nachhilfegeschäft wachsen. Das ist uns dann auch gelungen. 

Mit viel Geld macht man aber auch schneller mehr Fehler, weil man mehr ausprobieren kann. Für den Entwicklungsprozess hat es uns aber weitergebracht, denn jetzt haben wir drei funktionierende Geschäftsbereiche. Deshalb sehe ich es positiv: Wir haben zwar auch viel Geld „verbrannt“ aber unsere Entwicklung extrem beschleunigt, was im Markt essenziell sein kann. Denn wenn man 2-3 Jahre später kommt, ist es vielleicht schon zu spät.

Was sind eure nächsten Ziele mit StudyHelp?

Für dieses Jahr ist mein großes Ziel unser Kursgeschäft gut durch die Pandemie zu bringen. Da stehen uns jetzt noch ein paar riskante Monate bevor, vor allem wenn der Lockdown verlängert wird. Zusätzlich möchten wir unsere Marktführerschaft ausbauen und den Verlag auf 100 Produkte bekommen – also verdoppeln. Also im Grunde verbessern wir nur das, was wir schon haben: Aber dieses Jahr liegt für uns der Fokus darauf, das zu tun, was wir können – nur eben besser, schneller, geiler. Als neues Projekt wollen wir aber auch unseren Onlinebereich weiter ausbauen mit einer smarten Lösung. Der Verlags-Content soll weiter digitalisiert werden. Auf lange Sicht ist unsere große Vision dann, der Komplettanbieter zu sein – also ein Amazon für Bildung. Jetzt kommst du auf StudyHelp und findest eigentlich schon alles, was du suchst. Ich möchte aber noch einen Schritt weitergehen und Konkurrenten mit verkaufen. Das heißt, du kannst bei uns unsere eigenen Produkte kaufen, aber theoretisch auch unserer Wettbewerber. Das ist aber erst ein Ziel für in 5 oder 10 Jahren. Und ein letzter Punkt: Wir möchten mit dem Verlag gerne ins Ausland expandieren: spanischer Markt, englischer Markt. Aber unser Hauptsitz wird natürlich in Paderborn bleiben. Wir finden, zum Gründen ist Paderborn die perfekte Stadt. Man hat kurze Wege, die Uni ist hier, das Netzwerk ist top, es gibt geile Events und wir hatten auch eine gute Ausgangslage, weil wir früh dabei waren und in coole Kampagnen integriert wurden – das hätten wir in Berlin nicht bekommen.

Was würdest du als Gründer anderen Gründer:innen mit auf den Weg geben, auch all jenen, die sich vielleicht noch nicht trauen, selbst zu gründen?

Einfach mal machen. Ich glaube das ist mein Lieblingsspruch – hat jeder wahrscheinlich schon mal irgendwo gehört. Aber so ist es: einfach machen, mutig sein, sich trauen. Man weiß nie, ob es am Ende klappt oder nicht, wenn man es nicht einfach mal ausprobiert. Ich sage das meinem Team auch immer. Die wollen immer alles durchdenken. Ich sag denen dann „Ich wette mit dir, dass du nicht alles durchdacht hast, dass es irgendwas gibt, an das du nicht gedacht hast. Aber wenn du jetzt einfach an den Markt gehst, dann hast du direkt die Frage geliefert bekommen, an die du nie gedacht hast.“ Wenn man es einfach macht bekommt man sofort Kunden Feedback und dann kann man immer noch überlegen, wie man es am Ende machen will.

Vielen Dank Daniel für das spannende Gespräch. Du hast wirklich eine eindrucksvolle Geschichte hinter dir! Wir wünschen dir und deinem Team auch weiterhin alles Gute und dass ihr besser uns stärker aus der aktuellen Zeit hervorgeht.

Adrian Hülsmann und Christian Klaussner haben Mitte Dezember ihre Onlineplattform für agiles Projektmanagement nach der Scrum-Methode gelauncht

 

Die Webanwendung edelsprint richtet sich an diejenigen, die ihre Teamarbeit nach der Scrum-Methode organisieren möchten. Insbesondere kleinere Unternehmen und Einsteiger profitieren von dem klaren und einfachen Aufbau der Anwendung. Durch die integrierte Performance-Analyse des Entwicklungsprozesses können zudem individuelle Empfehlungen gegeben werden, damit Teams nachhaltig effizienter zusammenarbeiten und somit ihr volles Potential ausschöpfen. Die Gründer bezogen im April 2019 ihren Arbeitsplatz bei uns in der garage33. Im Oktober 2019 gründeten die beiden Innovatoren die edelsprint UG, eine Ausgründung der Universität Paderborn.

Vollumfängliche Planung und Durchführung von Scrum-Projekten

Die Scrum-Methode wird eingesetzt, um Arbeitsprozesse zu optimieren, wobei der Fokus auf den Teams und ihrer Zusammenarbeit liegt. Die Organisationsstruktur der Methode zeichnet sich dadurch aus, dass alle Anforderungen an ein neues Produkt an zentraler Stelle, dem „Backlog“, gesammelt werden. In sogenannten „Sprints“ werden in einem zeitlich begrenzten Turnus von ein bis zwei Wochen die wichtigsten Anforderungen umgesetzt und den Kund:innen die Ergebnisse des Sprints als fertiges Teilprodukt präsentiert. Das Kund:innenfeedback fließt anschließend wieder direkt in Form von neuen oder überarbeiteten Anforderungen ins Backlog mit ein, woraufhin der Entwicklungszyklus von neuem beginnt. Der enorme Mehrwert dieses iterativen Ansatzes liegt in der Risikominimierung. Teilergebnisse werden schnell generiert und Korrekturen zeitnah integriert. „Wenn in einem Unternehmen die Zusammenarbeit nicht gut funktioniert, dann wäre das ein guter Zeitpunkt, um es mit edelsprint und Scrum ‚glattzuziehen‘,“ beschreibt Adrian die Entwicklung. Klar definierte Werte wie Kommunikation, volle Transparenz, eine etablierte Fehlerkultur, Selbstreflexion sowie Feedback-Methoden bilden dabei die Basis für agiles Arbeiten. Das funktioniere allerdings besser ohne „Druck von oben“, analysiert er. Deshalb ist das Tool besonders für kleine bis mittelständische Unternehmen, Agenturen und Familienunternehmen mit flachen Hierarchiestufen, einem starken Teamgedanken und einer geringen Anzahl an Teams geeignet. Edelsprint richtet sich aber nicht nur an diejenigen, die bereits Erfahrungen mit Scrum gemacht haben, sondern insbesondere auch an Teams, die Scrum erlernen möchten. Durch die klare Führung innerhalb der Anwendung ist ein Erlernen einfach möglich. Scrum wird hauptsächlich im IT-Bereich eingesetzt, eignet sich aber generell für jegliche Form der Produktentwicklung. Bislang seien viele Scrum-Projekte aber durch mangelnde Transparenz und Kommunikation sowie durch fehlende Selbstorganisation ineffizient. Mehr als achtzig Prozent der Teams, die Scrum nutzen, arbeiteten bisher unproduktiv. Die Folgen seien zu hoher Arbeitsaufwand sowie zu hohe Zeit- und Geldinvestitionen, so Adrian. Um die Scrum-Methode in vollem Umfang zu unterstützen, verzichtet edelsprint auf unnötige Komplexität und ermöglicht größtmögliche Transparenz und Eigenverantwortung durch nicht hierarchische Arbeitsweisen. Klassische Managementpositionen wie der Product Owner oder der Scrum Master arbeiten mit dem Entwicklungsteam auf einer Ebene zusammen. Ein übersichtlicher Aufbau in Form von Karten und die Möglichkeit der räumlichen Anordnung dieser durch „Drag & Drop“, ermöglicht den Nutzenden einen einfachen wie intuitiven Einstieg in das agile Arbeiten mit der Webanwendung. Um die Arbeit zu strukturieren und die Teamarbeit zu optimieren unterstützt edelsprint zudem sämtliche interaktive Meetings in Scrum, wozu die Sprint Planung, Daily Scrum, Sprint Review und Sprint Retrospektive zählen. Klare Meetingstrukturen innerhalb eines vorgesehenen Zeitfensters schaffen für alle Prozessbeteiligten transparente Abläufe und Verantwortlichkeiten. Feedback-Mechanismen helfen bei der Reflexion des Entwicklungsprozesses sowie bei der Identifikation von Optimierungsmaßnahmen, wodurch schneller Erfolge generiert werden können. Dabei lernt die Software das Team immer besser kennen, erkennt Schwachstellen und gibt durch eine integrierte Coachingfunktion in Form einer einfachen Übersicht Tipps und Hilfestellungen. Der sogenannte Scrum-Master, der normalerweise im Unternehmen die korrekte Durchführung der Scrum-Methode und somit effizientes Arbeiten sicherstellt, ist in der Anwendung von edelsprint durch eine KI-basierte Prozessanalyse voll integriert. Kleine bis mittelständische Unternehmen leisteten sich diese Stellen aber häufig nicht, so Adrian. Mithilfe von künstlicher Intelligenz werden Empfehlungen für die Teams ausgesprochen und durch integrierte Coachings unterstützt. Das Know-How liegt in der hohen Benutzungsfreundlichkeit der KI-basierten Anwendung, die das Ergebnis aus 10-jähriger Forschungsarbeit auf dem Gebiet von „Mensch-Computer-Interaktion“ ist.

Aus der Forschung in die Praxis

Adrian beendete 2011 sein Informatikstudium an der Universität Paderborn. Während seiner anschließenden Promotionsforschung auf dem Gebiet der Softwaretechnologie in der ehemaligen Fachgruppe „Mensch-Computer-Interaktion“ unter der Leitung von Prof. Dr. Gerd Szwillus entstand die Idee für das Start-up edelsprint. Er forschte zunächst an zukunftsweisenden Benutzer:innenschnittstellen, sogenannten hochmodernen User Interfaces für kollaborative Arbeitsweisen, und entwickelte benutzungsfreundliche Multitouch-Tische für sechs- bis achtköpfige Teams. Der Wunsch den Schritt in die Selbstständigkeit zu gehen, war schon immer da und verfestigte sich, als Adrian zwei Projektgruppen mit jeweils zwölf Studierenden an der Universität leitete. Hier lernte er 2018 seinen heutigen Co-Founder Christian kennen. Um die Forschungsergebnisse mit großem Marktpotential in ein überzeugendes Geschäftskonzept zu überführen, stellte sich schließlich die Frage nach einem marktreifen Anwendungsszenario als Webanwendung und wie sich die entwickelten Konzepte für agile Scrum-Teams nutzen lassen. Der Prototyp für edelsprint entstand. „Einen komplexen Prozess in eine Anwendung zu übersetzen und diese leicht bedienbar zu gestalten, war eine der größten Herausforderungen für unsere Entwicklung. ‚Usability‘ ist das Schlagwort für einfache Bedienbarkeit“, fasst Adrian zusammen. Mit ihrer Idee wandten sich Adrian und Christian an uns, das Gründungscenter der Universität Paderborn, welches exzellente Forschung, die Förderung von Start-ups und Betreuung gründungsinteressierter Hochschulangehöriger sowie die enge Zusammenarbeit mit der Wirtschaft vereint. Anfang 2019 erhielt das Team eine 21-monatige Förderung im Programm START-UP-Hochschul-Ausgründungen NRW (heute Start-up Transfer.NRW) vom Ministerium für Wissenschaft und Forschung (MIWF) des Landes Nordrhein-Westfalen in Höhe von 240.000€. Bei der Antragsstellung für das Förderprogramm wurden sie von unseren Coaches beraten und unterstützt. Mit dem Projektstart bezogen sie ihr Büro in der garage33 und profitieren seitdem von der Expertise und dem Netzwerk des TecUP. „Wir schätzen den Kontakt zu den anderen Start-ups in der garage33. Der gegenseitige Austausch und die gute Infrastruktur im TecUP sind ein echter Benefit“, so die Gründer. Aufgrund des stetig wachsenden Start-up-Ökosystems und einer aktiven Gründer:innenszene sei Paderborn genau der richtige Standort, um das Geschäftsmodell weiter voranzutreiben. Einige Monate nach dem Einzug in die garage33 nahm das Team von edelsprint an dem durch uns initiierten OWL Start-up Pitch 2019 teil, der junge Innovator:innen mit gestandenen Unternehmer:innen aus der Region vernetzt. Daraufhin folgten erste Gespräche mit Investor:innen. Die nun anschließende Förderung Gründerstipendium NRW des Ministeriums für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen (MWIDE) mit einer Laufzeit von einem Jahr soll die innovative Geschäftsidee weiter vorantreiben.

Rasante Entwicklung seit dem Markteintritt

Seit Mitte Dezember 2020 ist edelsprint online. Innerhalb von vier Wochen hat das Start-up eine zweistellige Kundenanzahl gewinnen können und vertreibt die Anwendung fortan als „Software as a Service“, also als Monats- beziehungsweise Jahres-Abonnement. Zu den Kunden zählen kleine und mittelständige Unternehmen, Agenturen und Start-ups ebenso wie eine weiterführende Schule aus der Region. Besonders erfreut ist das Team von edelsprint darüber, im Bildungsbereich Fuß zu fassen. „Mit der Digitalisierung der Schulen wächst auch die Bereitschaft für die Verwendung eines neuen Tools. Selbstorganisiertes Arbeiten und Lernen wird zukünftig noch stärker Einzug erhalten. Daher ist der Bildungsbereich ein vielversprechender Markt für uns“, so Adrian. Aufgrund des nutzungsfreundlichen und -zentrierten Fokus von edelsprint entwickelt sich die Software fortwährend, abhängig vom Kund:innenfeedback, weiter. So garantieren die Gründer, dass immer an den wichtigsten Dingen gearbeitet wird. Eine voll ausgereifte Entwicklung und ein perfekt integriertes Coaching seien nur einige der durchweg positiven Kund:innenmeinungen, resümiert Adrian den erfolgreichen Start. „Das erfreulichste Feedback kam von einem renommierten Scrum-Master, der mir sagte, er hätte nie geglaubt, dass man den agilen Arbeitsprozess so ‚sauber‘ in einem Tool abbilden könne.“ Eine Herausforderung ist der Vertrieb, da es in Unternehmen üblicherweise bereits gewachsene Strukturen beziehungsweise genutzte Anwendungen gibt. Ein möglicher Vertriebsweg seien daher neben klassischem Online-Marketing auch Zertifizierungsstellen für Scrum sowie Kooperationen mit Beratungsunternehmen. Erste Gespräche sind bereits geführt worden.

Insbesondere kleinere Unternehmen und Einsteiger:innen profitieren von dem klaren und einfachen Aufbau der Webanwendung „edelsprint“

Unser Team blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück



Seit 2014 setzen wir uns als Gründungszentrum der Universität Paderborn für die Sensibilisierung und die Stärkung des Themas Existenzgründung in der Region Ostwestfalen-Lippe (OWL) ein und verstehen uns als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Wissenschaftliche Expertise soll in erfolgreiche Geschäftsmodelle übersetzt werden. Trotz der Coronakrise verzeichnen wir ein wachsendes und aktives Start-up-Ökosystem. Die Anzahl der Coachings und Erstgespräche mit jungen Innovator:innen konnte im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt werden.

Individuelles Coaching-Programm für junge Innovator:innen

Kreativen Köpfen wird im Freiraum der garage33 die Infrastruktur für erfolgreiche Gründungen geboten. Diese besteht nicht nur aus der Vernetzung und dem Austausch von Gründer:innen und gestandenen Unternehmer:innen sowie dem Zugang zu Wachstumskapital und Gründungsstipendien, sondern auch aus diversen Qualifizierungsangeboten und Start-up-Coachings. Ziel des Coaching-Programm ist es, jungen Ideengebenden eine strukturierte Begleitung vor und während des gesamten Gründungsprozesses anzubieten. Persönliches Feedback zur Gründungsidee sowie individuelle Beratung rund um die Themen Businessplanerstellung und Finanzierung gehören zu den Kernaktivitäten unserer Coaches im TecUP. „So ein Erstgespräch dauert in der Regel eine Stunde. Am Ende machen wir eine Art Follow-up, also wie soll es weiter gehen?! Dann vereinbaren wir meist direkt einen Folgetermin und gehen je nach Status der Idee und der Gründung weiter vor. Was will der Gründer oder die Gründerin überhaupt? Einen Förderantrag? Unterstützung? Ins Netzwerk? Dementsprechend planen wir die nächsten Schritte“, beschreibt Arthur Hartel, Leiter unseres Gründungscoaching, den typischen Ablauf beim Coaching.

Wachsende Kennzahlen

Anfang 2019 erhielt die Universität Paderborn als eine von insgesamt sechs Universitäten in Nordrhein-Westfalen den Zuschuss für den Aufbau eines Exzellenz Start-up Centers (ESC.NRW). Mit einem Projektvolumen von 20 Millionen Euro möchte die Universität Paderborn eine nachhaltige Gründungskultur etablieren und sich zu einem Leuchtturm für Gründungsvorhaben in der Industrie 4.0 entwickeln. Wir vom TecUP haben uns vor allem zum Ziel gesetzt, die Zahl der B2B-Gründungen in enger Kooperation mit der Wissenschaft und der technologieorientierten Wirtschaft in der Region OWL massiv zu steigern. Im Rahmen der ESC.NRW Förderung konnte unser Team stark vergrößert werden. Aktuell betreuen wir 54 Teams, wovon 20 Teams einen eigenen Arbeitsplatz in der garage33 haben. Im Vergleich zum Vorjahr konnte die Anzahl der Coaching-Gespräche von 501 auf 1008 Gespräche mehr als verdoppelt, im Vergleich zu 2015 mit 118 Coachings sogar mehr als verachtfacht werden. Seit 2015 werden es bis Ende dieses Jahres insgesamt über 2600 geführte Coaching-Gespräche sein. Auch die Kennzahlen zum Fördervolumen für Gründer:innen sind mit 2,1 Millionen Euro in 2020 erfreulich. Durch die Programme Gründerstipendium NRWSTART-UP-Hochschul-Ausgründungen NRWEXIST-Gründerstipendium und EXIST-Forschungstransfer beträgt das Fördervolumen seit 2016 insgesamt sogar 6,5 Millionen Euro. Seit 2015 verzeichnen wir 77 Hochschulausgründungen mit über 300 neu geschaffenen Arbeitsplätzen in der Region.
Gründer:innen sitzen um einem Tisch in der garage33
„NRW Startup Monitor 2020“: Universität Paderborn unter den Top Fünf

Anfang Dezember stellten Prof. Dr. Andreas Pinkwart, Wirtschafts- und Digitalminister Nordrhein-Westfalens und Christian Miele, Präsident des Bundesverbandes Deutsche Startups e.V. die Ergebnisse des NRW Startup Monitors 2020 vor. Dieser wird vom Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen beauftragt und vom Startup-Verband herausgegeben. Unter allen Hochschulen belegte die Universität Paderborn mit der wachsenden Anzahl der Hochschulausgründungen den vierten Platz. Auch deutschlandweit zählt die Universität Paderborn zu den 25 Hochschulen mit den meisten Ausgründungen.

Ein junges Unternehmen auf Erfolgskurs

Das Jungunternehmen partworks, eCommerce-Spezialist für Oldtimer-Ersatzteile, hat sich zum diesjährigen 5-jährigen Jubiläum über besondere Neukunden freuen können. Im Geschäftsjahr 2020 wurde das Unternehmen durch seine Reproduktionen von nicht mehr verfügbaren Ersatzteilen zum Lieferanten mehrerer großer Automobilhersteller. „Die neuen Kundenbeziehungen sind ein großes Lob für die Arbeit unseres jungen Teams“, äußerte sich Geschäftsführer Richard Kortenbruck. „Es zeigt uns, dass wir hinsichtlich Marktrelevanz und Qualitätsmanagement auf dem richtigen Weg sind.“ Das Kerngeschäft besteht jedoch weiterhin aus der Belieferung von Nischenprodukten an private Endkund:innen auf der ganzen Welt. Mit über 50% Exportanteil liefert das Unternehmen über Vertriebspartner viel in die USA, Australien sowie europäische Nachbarländer. Nur so kann das Unternehmen Nischenbauteile vermarkten, die für einen rein nationalen Vertrieb nicht wirtschaftlich wären. Über die Zusammenarbeit mit den Automobilherstellern lassen sich auch investitionsintensivere Reproduktionen realisieren. Die Konzerne schätzen die Flexibilität und das Tempo von jungen Firmen wie partworks. Den Durchbruch hat nach eigener Einschätzung aber die Modell-Expertise gebracht. „Es gibt viele gute Firmen, die technische Produkte entwickeln und produzieren könnten. Wo wir die Automobilhersteller aber unterstützen können, ist mit der Nähe zum Verbraucher und Expertise bei den älteren Fahrzeugen“, so Kortenbruck.

Ausgründung der Universität Paderborn

Was für den Gründer in 2012 als Nebentätigkeit begann, wurde in 2015 nach dem Abschluss eines Dualstudiums Maschinenbau beim Paderborner Automobilzulieferer Benteler zum Vollerwerb. Begonnen hat die Leidenschaft für Kraftfahrzeuge schon auf dem elterlichen Hof, wo die Restauration eines alten Porsche 944 die Leidenschaft für die Zuffenhausener Sportwagen weckte. Von Anfang an mit dabei war Richards Schwester Marie Kortenbruck, ebenfalls der Universität Paderborn zugehörig und Studentin der Sportwissenschaften. Heute ist Marie neben ihrem Studium Gesamtverantwortliche für die Bereiche Finanzen, Personalmanagement und Einkauf. Durch die handwerklichen Arbeitsbereiche und die hohe vertikale Integration, kann das Unternehmen studentische Praktikumsplätze mit viel Abwechslung anbieten. Zudem ist die partworks GmbH seit Anfang 2020 auch IHK-Ausbildungsbetrieb für den Berufszweig eCommerce-Kaufmann. Die Nähe zur Universität ist ein großer Vorteil. Im technischen Bereich bietet das Unternehmen beispielsweise wissenschaftliche Abschlussarbeiten unter Betreuung der Universität Paderborn an. Auch der Austausch mit Prof. Dr. Rüdiger Kabst sowie Prof. Dr. Sebastian Vogt von unserem Gründungszentrum, dem TecUP, sind für das Team sehr hilfreich. Marie und Richard schätzen die garage33 besonders als Plattform zum Austausch mit eifrigen, innovativen Unternehmensgründer:innen.

Marie und Richard Kortenbruck

Unternehmensziele

Seit den Anfängen von partworks „aus dem WG-Zimmer“ ist die Belegschaft auf nunmehr 14 Kolleginnen und Kollegen angewachsen. Streng nach der Unternehmensmission „We help people to keep their bestie running.“ arbeiten die meisten Kolleg:innen in den Geschäftsbereichen Service/Vertrieb sowie IT und Produktmanagement. Mit nun über 4800 Lagerstellplätzen hat das Unternehmen seinen Flächenbedarf im Krisenjahr 2020 verdoppelt und investiert aktuell rund 1 Million Euro Eigen- und Fremdkapital in die Portfolioerweiterung. Mittelfristig sucht das Unternehmen einen größeren Standort im Raum OWL um seine Marktrelevanz im Oldtimer-Ersatzteilgeschäft auszubauen. Neben Lagererweiterung ist insbesondere eine Intensivierung von Entwicklung und Konstruktion geplant. Langfristig plant das Unternehmen die Erschließung weiterer Ersatzteil-Nischen wie der historischen Luftfahrt und Landtechnik.

Das Team „Excellence Coatings“ wird von Expertenjury für eine Förderung im Programm EXIST-Forschungstransfer empfohlen

Mit ihrer Existenzgründungsidee einer langanhaltenden wasser- und schmutzabweisenden Oberflächenbeschichtung ist es dem Team um David Wedegärtner, Deniz Dogan und Sven Wauschkuhn gelungen, sich für eine Förderung im Programm EXIST-Forschungstransfer des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) und des Europäischen Sozialfonds (ESF) zu empfehlen. Der Förderumfang während der zweijährigen Projektphase umfasst 800.000 Euro. Das Programm fördert herausragende forschungsbasierte Gründungsvorhaben, die mit risikoreichen und aufwändigen Entwicklungsarbeiten verbunden sind. Hierbei soll die Entwicklung bisheriger Forschungsarbeiten vorangetrieben, Prototypen hergestellt und getestet, der Businessplan ausgearbeitet und schließlich das Unternehmen gegründet werden. Es ist das zweite Mal, dass ein Team der Universität Paderborn die Jury des renommierten Programms EXIST-Forschungstransfer überzeugen konnte und dies stellt die bisher höchste Fördersumme dar. Unterstützung bekamen sie dabei von uns, dem TecUP.

Innovative wasser- und schmutzabweisende Oberflächenbeschichtung

Begonnen hat alles im Wintersemester 2009/2010 während ihres Chemiestudiums an der Universität Paderborn. Hier lernten sich David und Deniz kennen und freundeten sich schnell an. Den Bachelor absolvierten die beiden im Studiengang „Chemie und Technologie der Beschichtungsstoffe“ (CTB), im Master spezialisierten sie sich auf Kunststofftechnik im Studiengang „Polymere Materialien und Prozesse“ (PMP), der Chemie und Maschinenbau kombiniert. Seit Anfang 2016 promovieren David und Deniz auf dem Gebiet der technischen Chemie im Arbeitskreis von Prof. Wolfgang Bremser am Lehrstuhl für „Coatings, Materials & Polymers“ (CMP) der Universität Paderborn. Die Spezialisierung auf Beschichtungssysteme ist deutschlandweit einzigartig und der Arbeitskreis CMP aufgrund der hervorragenden fachlichen Infrastruktur renommiert. David promoviert in der im Arbeitskreis integrierten Nachwuchsforschungsgruppe „Biobased & Bioinspired Materials“ von Prof. Oliver Strube an einer strukturierten Beschichtung mit Hilfe von Enzymen. Prof. Wolfgang Bremser war der Ideengeber für Deniz Forschung, die im Bereich des „Antifouling“ liegt. Durch Antifoulings soll dem Ansiedeln von Mikroorganismen, Pflanzen oder Tieren am Rumpf von Schiffen entgegengewirkt werden. Der „Biofouling-Prozess“ an Schiffsrümpfen soll mit einer giftfreien, geeigneten Beschichtung mit einem mikrophasenseparierenden System verhindert werden. Ein Patent wurde bereits angemeldet. Hieraus entstand schließlich die Idee zur Entwicklung ihres Produktes. Ihre Forschungsergebnisse tragen die beiden seit nunmehr fünf Jahren zusammen.

Mit dem Programm START-UP-Hochschul-Ausgründungen.NRW konnten sie sich bereits eine Landesförderung in Höhe von 240.000 Euro sichern. Dieses Vorhaben wurde aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert. Im Dezember läuft diese anderthalbjährige Förderung aus. Unter dem Projekttitel „Microdomes“ entwickelten David und Deniz bereits eine innovative Oberflächenbeschichtung. In einem Langzeittest wurde diese validiert. Der „Proof of Principle“, also die Durchführbarkeit des Vorhabens, konnte schon bewiesen werden.

Die nun anschließende Förderung im Programm EXIST-Forschungstransfer soll unter dem Projekttitel „Nanodots Waterline“ laufen. Der Projektstart ist für März 2021 geplant. Dann hat das Team 24 Monate Zeit, um die technische Realisierbarkeit hoch zu skalieren und in die bestehenden Beschichtungsprozesse zu integrieren. Momentan können nur bis zu 15 Liter des Lacks in einem Arbeitsgang hergestellt werden. Das soll sich zukünftig ändern: „Was im kleinen Labormaßstab funktioniert, gelingt nicht auf einmal in einem riesigen Reaktor“, beschreibt David die Herausforderung in der Herstellung großtechnischer Mengen.

Der Kern der Innovation ist die wasser- und schmutzabweisende Wirkung der Beschichtung bei gleichzeitig hoher mechanischer Beständigkeit. Die Chemiker entwickeln eine Hybridbeschichtung, indem sie zwei Beschichtungsklassen kombinieren, die nur schwer zu kombinieren sind. „Als ich anfing, an dem Thema zu forschen, war der allgemeine Konsens, dass es nicht funktionieren wird“, so Deniz. Das Besondere an ihrer Entwicklung ist die Mikrostrukturierung des Silikons im Lack, das die funktionale Komponente bildet. Den Lack bezeichnen sie als High-Tech-Produkt. Die Laborarbeit erfordert große Sorgfalt und exakte Dokumentation. Funktionale Beschichtungen im Bereich von „Easy-to-clean“ und „Antifouling“ haben bislang den Nachteil, mechanisch unbeständig zu sein. Zudem sind sie nicht nur schwierig aufzubringen, sondern auch sehr teuer. Daher entwickelt das Team ein Lacksystem, das genauso aufgetragen werden kann wie herkömmliche Lacke und das vom Kosten- und Nutzenverhältnis akzeptabel ist. Der wasserbasierte Klarlack härtet je nach Anwendungsfeld sowohl bei Umgebungstemperaturen als auch bei hohen Temperaturen in Einbrennsystemen aus. „Das Produkt kann viel und hat in vielen Märkten Potential“, beschreibt David die Entwicklung und erklärt weiter „Wir sind im Bereich der funktionalen Beschichtung. Sobald es um funktionale Beschichtungen geht, geht man immer einen Kompromiss ein. Unsere Entwicklung bietet aber den Grundschutz plus weitere Funktionen.“ In dem durch das TecUP initiierten Workshop „Where to play“ Anfang dieses Jahres bestätigte sich die Annahme, dass das Potential für den innovativen Lack in vielen Märkten zu finden ist, wie beispielsweise im Straßenbau, im Wasserbau sowie im Bereich der Haustüren- und Fassadenversiegelungen. Im Automotive-Bereich Fuß zu fassen ist das langfristige Ziel des Teams.

Gründerteam will Geschäftsfeld erweitern

Ende September gründete das Team die „Excellence Coatings GbR“, die Mitte nächsten Jahres in eine GmbH überführt werden soll. Im Juni erweiterten die beiden Chemiker ihr Team um Sven Wauschkuhn, der aktuell seinen Master in Betriebswirtschaftslehre an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf abschließt. Über Tim Hosch, Gründungscoach unseres TecUP Teams, fanden die drei zusammen. „Viele Start-ups kommen aus den Naturwissenschaften oder technischen Bereichen und sind auf der Suche nach BWLern. Mit diesem Wissen und dem Wunsch, in die Selbständigkeit zu gehen wandte ich mich ans TecUP“, erklärt Sven. Er komplementiert das Gründerteam und wird die betriebswirtschaftlichen Projektaufgaben übernehmen. Weitere Unterstützung erhält das Team durch die Einstellung einer technischen Mitarbeiterin.

Bereits jetzt arbeiten sie mit einem Pilotkunden aus der Wirtschaft zusammen, dem Hersteller für Premiumhaustüren OBUK aus Oelde, den sie beliefern. Die zweijährige Förderung soll tiefergehende Entwicklungsarbeiten an dem Produkt ermöglichen, um das Geschäftsfeld zu erweitern und neue Kunden zu akquirieren. Je nach Anwendungsgebiet muss dafür der Lack optimiert, angepasst und in eine marktreife Produktlinie für unterschiedlichste Kunden überführt werden. „Es gibt bereits jetzt sehr starke Interessensbekundungen aus verschiedenen Bereichen der Wirtschaft, die an einer Zusammenarbeit interessiert sind und uns ihre Unterstützung im Projekt und beim Scale-up zusicherten“, so die Teammitglieder. Ein Pilotprojekt mit einem strategischen Partner aus dem Automotive-Bereich, der PPG Hemmelrath Lackfabrik GmbH, ist bereits in Planung. Dabei soll validiert werden, ob das Produkt den erhofften Mehrwert für den Kunden generiert. Zudem müssen diverse DIN-konforme Test zur Qualitätssicherung durchgeführt werden. Nach Ablauf der Förderung soll das Start-up der drei Gründer weiterwachsen, um wettbewerbsfähig zu sein und das innovative Lacksystem auch Großkunden anbieten zu können. Venture Capital ist hierbei ein interessantes Finanzierungsmodell. Bis zum offiziellen Projektstart im März möchten David und Deniz ihre Promotionen und Sven seine Masterarbeit beenden.

Unterstützung bei der Antragsstellung für die Förderung im Programm EXIST-Forschungstransfer erhielten die Wissenschaftler durch unsere Coaches. Bereits während ihres Chemiestudiums entstand der Wunsch, ihre Forschungsergebnisse in die Praxis zu überführen. „Probleme so zu lösen, wie wir das wollen, das Unmögliche möglich machen und sein eigener Chef sein“, beschreibt Deniz die Entscheidung, den Schritt in die Selbstständigkeit zu gehen. Im April 2019 bezogen die beiden Chemiker ihr Büro in der garage33, dem Gründungsinkubator des TecUP. Hier werden Gründerinnen und Gründer unterstützt, ihre innovativen Ideen vom Prototyp bis hin zur Marktreife zu entwickeln. Mit unseren Gründungs-Experten feilten sie an ihrer Projektidee und deren wirtschaftlicher Realisierbarkeit, erstellten mithilfe des Coaching-Programms einen Businessplan, um dann ihr Start-up auszugründen. „Die Coaches haben uns wirklich geholfen und geformt. Besonders zu nennen ist hier Arthur Hartel. Er stand uns immer zur Seite“, resümiert Deniz die bisherige Zeit in der garage33. Offenes Feedback, unkomplizierte und schnelle Hilfestellungen sowie der Austausch und die Gemeinschaft machten diesen Ort so besonders. Auch perspektivisch sehen sie ihren Platz im Gründungscenter der Universität Paderborn. „Wir hoffen, dass wir in dem geplanten MakerSpace im neuen Gebäude Start-up-Campus.OWL mittelfristig mit unseren Laborgeräten unterkommen“, so David.

Das innovative Geschäftsmodell bietet großes Wachstumspotential und könnte schon bald die Lackindustrie revolutionieren. 

Stillsitzen können die drei Gründer auch in ihrer Freizeit nicht. Sven spielt seit seiner Kindheit Tennis und ist zudem ehrenamtlich aktiv. Deniz praktiziert seit sieben Jahren die chinesische Kampfkunst Wing Tsun, die ihn auch charakterlich sehr geprägt hat. „Der Kampfsport ist ehrlich. Nur wenn du trainierst wirst du auch gut. Hier habe ich gelernt, dass nichts unmöglich ist.“

Jahrelange Erfahrung in der Selbstständigkeit bringt David mit, der als Zauberkünstler in der Region bekannt ist. „Egal ob Chemie oder Zauberei: beides verstehen die Leute erstmal nicht“, sagt er und lacht. Aufgrund der pandemischen Lage ist es momentan still um die die Zauberei. Genug zu tun hat das Team in den nächsten Jahren aber allemal.

Das Team von Excellence Coatings in der Arena der garage33
Chinkilla und JackBock erhalten das Gründerstipendium.NRW

Im Rahmen des Gründerstipendium.NRW fand vergangene Woche die jüngste Jurysitzung statt. Dieses Mal setzte sich die Jury aus Prof. Dr. Rüdiger Kabst, wissenschaftlicher Leiter des TecUP, Prof. Dr. Sebastian Vogt, Geschäftsführer des TecUP, Dr. Isabelle Milz, Leiterin Transferscouting, Arthur Hartel, Tim Hosch und Kian Malucha, Gründungscoaches des TecUP sowie Stefan Bölte, Investmentmanager des Technologiefonds OWL zusammen. Chinkilla und JackBock konnten sich das begehrte Gründerstipendium mit einer Laufzeit von einem Jahr in Höhe von 12.000 € pro Person sichern. 

Dani und Sarah von Chinkilla in sportswear auf dem Sportplatz

Mit den Gründerinnen Sarah und Dani von Chinkilla zieht nun geballte Frauenpower in die garage33. Chinkilla kombinieren mit ihrer Geschäftsidee Bootcamps und Kampfsport-Events sowie eine eigene Modelinie für Kampsport- und Lifestylebekleidung. Beide haben langjährige Kampfsport- und Fitnesserfahrung, die sie gekonnt in ihr Start-up einbringen. Ihr Kundinnenversprechen ist eindeutig. „Kleidung mit einer Message. Kleidung mit Attitüde. Kleidung für Frauen, ohne Schnickschnack.“ Im Januar dieses Jahres haben sie gegründet und auch ihr Onlineshop wurde bereits gelauncht. Die Ziele für das kommende Jahr haben die zwei Gründerinnen schon abgesteckt: Der Ausbau der eigenen Modelinie sowie das Auspfeilen des Geschäftsmodells durch intensives Coaching in der garage33 stehen ganz vorne an.

Stefan Asche steht vor weißer Wand

Ein völlig anderes, aber ebenso vielversprechendes und innovatives Geschäftsmodell ist JackBock. Um Young- und Oldtimern einen schonenden Winterschlaf zu bescheren, hat sich der Maschinenbauabsolvent der Universität Paderborn Stefan Asche eine Lösung einfallen lassen. Durch sein duales Studium bei Benteler bringt er bereits Praxiserfahrung aus der Automobilindustrie mit. Vom Einzug in die garage33 verspricht er sich, bei seiner Gründung von der Expertise des Netzwerks profitieren zu können.

Ein Zugewinn für die garage33 sind definitiv beide Teams! Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit und blicken gespannt nach vorne. Sicherlich werden wir zukünftig noch einiges von den hochmotivierten Gründer:innen erfahren und gemeinsam Erfolge feiern!

Investmentmanager Stefan Bölte erzählt vom Technologiefonds OWL

Stefan Bölte ist bereits seit 2017 Investmentmanager bei EnjoyVenture, das Fondsmanagement des Technologiefonds OWL. Zuvor hat er 12 Jahre Berufserfahrung in der Bankenwelt gesammelt: zunächst bei der Sparkasse Paderborn-Detmold, anschließend in Münster. Dort hat er Sparkassen dabei beraten, sich im Firmenkundengeschäft vertriebsstrategisch aufzustellen. Seine Berührungspunkte mit der Existenzgründung führten Stefan schließlich zurück nach Paderborn. Hier sitzt er nun als Teil des EnjoyVenture Teams im TecUP ganz nah am Gründungsgeschehen.

Stefan, wie sieht dein Arbeitsalltag aus? Was genau sind deine Aufgaben?

Meine Aufgabe hier ist zum einen die komplette Betreuung des aufgebauten Portfolios im regionalen Technologiefonds OWL – wir sind aktuell an acht Unternehmen beteiligt – zum anderen aber auch die Neuakquise. Der Dealflow, also sich neue Teams angucken, prüfen, entscheiden, ob sie interessant für uns sind und, ob wir in detailliertere Prüfungen reingehen sowie diese dann auch zu organisieren, nimmt ebenfalls einen großen Umfang ein.

Was genau ist denn eigentlich der Technologiefonds OWL? Was steckt dahinter und wie funktioniert diese Form des Beteiligungskapitals?

Der Technologiefonds OWL ist ein klassischer Frühphasen-Investor. Wir investieren in junge Unternehmer:innen, die eine spannende Idee oder Technologie haben. Klassisch ist es dann so, dass wir von der Idee überzeugt sind und durch unser Investment Mitgesellschafter werden und Anteile an dem Unternehmen bekommen. Ziel ist es, die Idee und schließlich das Unternehmen groß zu machen. In einer frühen Phase lernen wir die Teams kennen und steigen entsprechend früh ein. Gemeinsam mit dem Team gehen wir die Reisen dann für einen gewissen Zeitraum zusammen. Was mit Venture Capital aber immer einhergeht ist, dass die gemeinsame Reise befristet ist: So versuchen wir dann gemeinsam mit dem Team einen Exit zu organisieren.

Durch die Fundraising-Phase des Technologiefonds OWL sind knapp 20 Millionen Euro zusammengekommen. Die Geldgeber sind dabei ganz unterschiedlicher Herkunft: Von institutionellen Kapitalgebern, bis hin zu einem Privatinvestor stecken auch ganz unterschiedliche Motive dahinter, die Investmentmanager Stefan Bölte nun seit 2017 seine Arbeit mit dem regionalen Fonds ermöglichen.

Als Obergrenze nennt ihr ein Investment von 2 Millionen Euro. Gibt es umgekehrt auch eine Untergrenze für eine Finanzierung? Wie entscheidet ihr über die Höhe?

Es gibt formell keine Untergrenze. Die übliche Ticketgröße für das Erstinvestment liegt bei ungefähr 500.000 Euro. Das kann auch mal ein bisschen mehr oder weniger sein. „Wohl fühlen“ wir uns ab etwa 350.000 Euro, da bei weniger Investment die Kosten-Nutzen Kalkulation nicht mehr passt: Der Aufwand, den wir für 500.000, 750.000 oder eben für 350.000 Euro betreiben, ist fast exakt der gleiche. Dann schauen wir als Erstes, was das Start-up für einen Kapitalbedarf hat und wie bzw. mit welchen Investoren dieser gedeckt werden kann. Und schließlich muss man schauen, wie und ob man zusammenpasst. Bei Investmentbedarf von 100.000 Euro macht Venture Capital meist wenig Sinn. Andersrum, wenn jemand 10 Millionen Euro als Investment braucht, sind wir auch nicht unbedingt der passende Geldgeber.

Du sagtest ja bereits, dass der Technologiefonds OWL ein regionaler Fonds ist. Wie unterscheidet sich das Start-up Ökosystem in OWL von anderen Ökosystemen? Und wie bewertest du die Entwicklung der Region?

Wir erleben Ostwestfalen-Lippe seit 2017 – seit es den Fonds gibt – sehr munter und gut fortgeschritten. Klar gibt es Berlin oder München, die schon sehr weit sind, aber OWL ist da auf einem guten Weg zumindest aufzuholen. Auf nationaler Ebene ist man hier gut unterwegs, auch was die Aktivitäten des Systems angeht. Durch den Gewinn des Exzellenz Start-up Centers in OWL ist da nochmal eine andere Dynamik reingekommen. Ein Bonus in OWL ist auf jeden Fall die Vernetzung der Start-ups miteinander, aber auch mit dem Kunden vor allem im Bereich B2B. Durch die Premium Partner des TecUP kann man als Gründer:in schon sehr nah am Markt entwickeln.

Was sind in deinen Augen entscheidende Faktoren eines Start-ups mit Zukunftspotential?

Zum einen die Innovativität und Klarheit des Geschäftsmodells, zum anderen, welche Personen hinter dem Start-up stecken und, ob das Team unternehmerisch unterwegs ist. Ist das Team komplementär aufgestellt oder sind nur Softwareentwickler Teil des Start-ups? Man braucht eben immer eine Verlinkung zum Markt. Die kann man natürlich auch im Laufe der Zeit noch einstellen, das muss das Team aber wollen. Ein Sales Experte oder Business Developer kann eine ganz neue Perspektive einbringen, die auch mal unbequem sein kann. Das kann zu Konflikten im Team führen. Aber ein gutes Team will diese Konflikte, denn es geht ja am Ende darum, dass möglichst viele Kunden bereit sind, Geld für das Produkt zu bezahlen. Da muss sich ein Team hin entwickeln.

Das Investment in junge Unternehmen ist oftmals mit großen Risiken verbunden. Nach welchen Kriterien entscheidet ihr, ob ein Start-up das Eingehen dieses Risikos wert ist?

Indem wir uns über folgende Punkte Gedanken machen: Sind die Gründer:innen schon am Markt unterwegs? Falls das nicht der Fall ist, wie weit ist der Weg, um am Markt aktiv zu sein? Funktioniert das Unternehmen so, dass es auch eine marktwirtschaftliche Sichtweise bekommt oder ist es reine Technologieentwicklung? Zweiteres ist in der Regel schwieriger. Wir suchen eher Themen, die auch einen gewissen Markterfolg vermuten lassen. Entsprechend schauen wir dann nach Finanzkennzahlen und Metriken. Wichtig ist aber auch, ob es ein Vertriebsmodell gibt und wie dieses funktioniert. Das muss man alles miteinander abwägen.

Ihr habt ja auch bei uns schon investiert. Welche Start-ups, die in der garage33 großgeworden sind, konntet ihr bisher mit eurem Fonds unterstützen?

Das erste Investment, das wir als Fonds gemacht haben, war in das Unternehmen StudyHelp von TecUP. Da gab es noch nicht einmal die garage33 und TecUP war noch ganz klein mit drei Büros unterwegs. Außerdem haben wir in Unchained Robotics investiert, die auch aktuell noch hier in der Förderung sind.

Gibt es auch ein Team, bei dem du es heute bereust, dass ihr nicht investiert habt?

Ja… das sogenannte Angstportfolio. Gerne hätte ich in AMendate investiert. Da waren wir auch auf der Zielgeraden, aber dann hat sich das Managementteam entschieden den Weg ohne Investment zu gehen und direkt den Exit zu machen. Und dann gibt es noch zwei, drei andere Start-ups, in die wir gerne investiert hätten, wo es dann aber aus verschiedenen Gründen nicht geklappt hat. Natürlich gibt es aber auch jetzt gerade sehr interessante Start-ups in der garage33, die wir unter die Lupe nehmen.

Du bist meistens in deinem Büro im TecUP. Gibt es etwas, dass dir an der Gründer: innen-Mentalität in der garage33 besonders gefällt und andersherum gefragt vielleicht auch etwas, dass dir bisher fehlt?

Die Vernetzung der Gründer:innen und der Alumnis untereinander funktioniert schon ziemlich gut. Das hat aber auch noch mehr Potenzial. Auch die Vernetzung in die Region hinein ist vorbildlich. Sowas ist sehr wichtig, damit man gegenseitig von Fehlern lernt aber auch Erfolge zusammen feiert. Das ist schon ein besonderer Spirit, finde ich. Jetzt ist es gerade aber durch die Pandemie natürlich sehr schwer, die ganzen Community-Events zu machen, die es früher schon gab. Da muss man neue Angebote schaffen und vieles ausprobieren, was das TecUP ja bereits macht. Ansonsten hoffen wir natürlich, dass wir bald zur „Normalität“ zurückkehren können und der Austausch wieder persönlicher wird, dass man sich abends einfach auf ein Bier treffen und über das Geschehen in der Start-up Welt austauschen kann.

Ihr seid nicht nur Kapitalgeber für Gründer:innen. Welche Unterstützung können Start-ups noch von euch erwarten?

Dadurch, dass es EnjoyVenture seit 20 Jahren gibt, haben wir ein buntes Netzwerk von anderen Investoren, von Rechtsanwälten und Steuerberatern. Wir haben aber auch generell viel Erfahrung, was die erfolgskritischen Themen sind, um Unternehmen so relevant zu machen, dass jemand Drittes nachher bereit ist, dafür auch einen attraktiven Preis zu bezahlen. Ich glaube da können wir auf verschiedenen Ebenen mithelfen. Wir treten stark als Sparringspartner auf mit einem breiten Erfahrungsschatz, um die Teams bei der Weiterentwicklung zu unterstützen.

Das klingt nach einer vielseitigen Unterstützung. Vielen Dank, Stefan, dass du uns all unsere Fragen beantwortet hast.

WEITERE FRAGEN?
Hier erfährst du mehr!
Gründungscoach Arthur klärt Fragen rund ums Coaching auf

Um offene Fragen zum Thema Coaching zu klären, haben wir uns mit Gründungscoach Arthur zusammengesetzt und ihn mit Fragen gelöchert. Arthur ist bereits seit Juni 2017 im TecUP Team, kurz nachdem die garage33, unser Co-Working und Eventspace, eröffnet hat. Da er selbst Gründungserfahrung mitbringt und die Kombination aus Universität, Start-ups und Forschung als besonders spannend empfindet, hat es ihn zu TecUP gezogen. Er selbst war einst Teil eines Start-ups im Bereich der Softwareentwicklung und möchte heute Ausgründungen aus der Universität, hinter denen oftmals viel Potenzial steckt, unterstützen. Vom Erstgespräch bis zur Ausgründung begleitet Arthur bereits seit über drei Jahren Gründerinnen und Gründer beim TecUP…

Arthur, wann bzw. für wen lohnt sich in deinen Augen ein Coaching-Erstgespräch?

Im Prinzip lohnt es sich für jeden, der eine Idee hat und gerne darüber reden würde. Das Coaching Gespräch ist kostenlos und unverbindlich und oft kann man die eigene Idee schon nach dem ersten Austausch weiterentwickeln. Am besten ist, die Gründungsinteressierten melden sich einfach über das Kontaktformular auf der Homepage, per E-Mail oder Anruf und dann vereinbaren wir einen Termin. Alternativ kann man auch einfach Dienstagsmorgens zwischen 9 und 11 Uhr in der freien Sprechstunde vorbeikommen. Dabei ist erstmal jeder eingeladen, egal mit welcher Idee er oder sie kommt. Unser Fokus liegt aber auf den technologie- und wissensbasierten Innovationen.

Und wie würde so ein Erstgespräch dann ablaufen?

Also wir stellen uns, die garage33 und TecUP, natürlich erstmal vor. Wir erklären, was wir machen, vor allem aber auch was wir nicht machen. Manche haben nämlich die Vorstellung, dass wir Steuerberater oder Rechtsanwälte sind – das sind wir natürlich nicht. Wenn wir uns vorgestellt haben ist es so, dass die Gründer:innen sich und ihre Idee vorstellen. So ein Erstgespräch dauert in der Regel eine Stunde. Am Ende machen wir eine Art Follow-up, also wie soll es weiter gehen?! Dann vereinbaren wir meist direkt einen Folgetermin und gehen je nach Status der Idee und der Gründung weiter vor. Was will der Gründer oder die Gründerin überhaupt? Einen Förderantrag? Unterstützung? Ins Netzwerk? Dementsprechend planen wir die nächsten Schritte.

Und wie bekommt man dann einen Platz bei uns in der garage33? Also nicht jeder, der ein Erstgespräch hat, bekommt ja auch automatisch ein Büro gestellt.

Im Co-Working ist erstmal jeder eingeladen – das ist überhaupt kein Problem. Ein Büro in der garage33 ist allerdings immer an ein Förderprogramm gebunden. Also nur wer in einem Förderprogramm ist, dem können wir zur Zeit ein Büro zur Verfügung stellen. Und zum Glück haben wir aktuell genug Kapazitäten – zum einen hier in der garage33, vor allem aber nebenan im Technologiepark 6 – um allen Teams mit Förderprogrammen auch ein Büro bieten zu können. Da ist dann auch die Nutzung der Konferenzräume inklusive. Das ist für die meisten Gründerinnen und Gründer schon viel wert.

Und das war nicht immer so, erzählt Arthur, denn TecUP hat sich in den vergangenen Jahren stark vergrößert. Mit den sechs Büros in der garage33 und den anfänglich wenigen zusätzlichen Büroflächen, wurde es vor 2-3 Jahren auch manchmal knapp und die Teams mussten sich zum Teil ein Büro teilen. Doch das hat der Stimmung nie einen Abbruch getan, denn das Ganze hier ist ja auch eine Gemeinschaft …

Der größte Vorteil ist der Austausch untereinander, also die Coaching Gespräche, der Austausch mit Netzwerkpartner:innen, aber auch die Kommunikation mit anderen Gründer:innen. Die meisten haben einfach ähnliche Probleme und da kann man mal eben schnell fragen „Wie machst du das denn? Welche Ideen hast du? Welche Tipps hast du?“. Man muss nur anklopfen und kann schnell an Informationen kommen. Das ist natürlich ein riesiger Vorteil gegenüber einer Gründung alleine im stillen Kämmerlein.

Du hattest ja eben schon von Förderprogrammen gesprochen: Die Umsetzung einer Idee in die Realität kostet in der Regel viel Geld. Welche Möglichkeiten bieten sich den Gründer:innen beim TecUP, ihre Idee zu finanzieren?

Wir unterstützen viele Start-ups mit Förderprogrammen. Das fängt an mit dem Gründerstipendium.NRW, geht über das EXIST-Gründerstipendium und das EXIST Forschungstransfer Stipendium, bis hin zum START-UP Transfer.NRW. Es gibt aber auch Teams, die einfach über Bootstrapping, also nur mit den eigenen Einnahmen immer weiterkommen. Aktuell haben wir ein Team, das eine Kickstarter-Kampagne startet. Die andere Möglichkeit ist natürlich auch über Business Angels oder über Venture Kapital, also das Netzwerk, das wir in dem Bereich haben, an Kapital zu kommen.

Da bieten sich ja viele Möglichkeiten. Aber wie findet man am Anfang eigentlich heraus, ob die eigene Businessidee gut ist?

Das ist eine gute Frage. Ob wir Coaches eine Idee gut finden oder nicht, ist erstmal egal. Also ich glaube das Wichtigste ist, dass man mit der Idee möglichst frühzeitig rausgeht und validiert, mit ganz vielen Leuten spricht, mit potenziellen Kunden spricht. Denn die wissen ja am besten, ob sie etwas kaufen wollen oder nicht. Und wenn man die ganze Zeit alleine vor sich hin entwickelt und erst dann damit an den Markt geht, hat man vielleicht ein tolles Produkt, aber stellt schnell fest das will überhaupt keiner kaufen. Also die Leute müssen reden, reden, reden. Manchmal muss man erst ein bisschen testen, um voranzukommen. Am Ende entscheidet immer der Markt, ob die Idee gut ist oder nicht.

Okay, ein gutes Produkt, die Meinung von potenziellen Kunden – das ist die eine Sache. Und was ist deiner Meinung nach essenziell, um sich dann als Start-up auch behaupten und langfristig positionieren zu können?

Das Team! Das ist das Allerwichtigste. Das Team muss sich möglichst früh klarwerden, was sie eigentlich wollen. Was ist ihre Vision? Wo wollen sie hin? Ziehen alle am gleichen Strang? Die meisten Gründungen – das lässt sich auch empirisch belegen – scheitern am Team. Das Team muss eine gemeinsame Vorstellung haben von dem, was sie machen. Es ist natürlich auch möglich alleine zu gründen. Aber man wächst ja als Start-up im Idealfall auch relativ schnell. Und dann kann man nicht alles alleine machen: Vertrieb, Marketing, Entwicklung. Da muss ich mir dann ein Team suchen und ich glaube das ist meistens der schwierigste Teil: die passenden Teammitglieder zu finden, mit denen man auch eine Vertrauensbasis aufbaut und die gemeinsame Vision dann natürlich auch pflegt. Ich sage immer, das ist wie heiraten: Man heiratet ja auch nicht den ersten Mann oder die erste Frau, den oder die man auf der Straße trifft. Ähnlich ist es bei der Teamfindung. Und wenn das Start-up richtig gut läuft, arbeiten die ja auch 60 Stunden in der Woche zusammen und das muss dann ja irgendwie passen. Wir versuchen beim TecUP aber auch bei der Teamfindung zu unterstützen durch Teammatching Events, Stellenbörsen, etc.

Klar, so ein Team muss gut funktionieren und an einem Strang ziehen. Aktuell in der Pandemie gestaltet es sich natürlich ziemlich schwer, zusammentreffen zu vereinbaren, um potenzielle Teammitglieder kennenzulernen. Wie läuft es denn momentan mit den Coachings? Merkt ihr durch Corona einen Unterschied zu vorher?

Am Anfang hatten wir auf jeden Fall deutlich mehr zu tun. Gerade im März und April hatten wir so viele Erstgespräche wie noch nie. Da hat sich alles geballt, da „brannte die Bude“. Einige waren in einem Angestelltenverhältnis und hatten plötzlich Zeit, sich ihren eigenen Ideen zu widmen. Zum Teil sind sie bis heute bei uns im Coaching. Über den Sommer ist die „Flut an Erstgesprächen“ dann etwas abgeflaut, aber man merkt schon, dass auch jetzt wieder mehr Erstgespräche zustande kommen. Das hängt ja auch eng mit der Wirtschaft zusammen: Wenn die wirtschaftliche Entwicklung gut ist, geht die Anzahl der Start-ups eher zurück. Das war ja auch in den letzten 4 bis 5 Jahren der Fall. Wenn dann das Wirtschaftswachstum abnimmt, sind die Leute eben auch eher motiviert, selbst zu gründen.

Danke Arthur für das aufschlussreiche Gespräch.

Wir hoffen, dass wir vielleicht auch deine Motivation durch das Interview etwas steigern konnten, einfach mal vorbeizukommen. Mach gerne einen Termin bei uns aus, lass dich beraten und finde heraus, wohin der Weg dich führt…

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