Amir Giebel, Andreas Fischer und Jona Vogel (v. l.) in der Arena der garage33. ENERVATE entwickelt ein zukunftsweisendes Konzept für die schnelle und nachhaltige Modernisierung des Altbaubestandes.

Zukunftsweisendes Konzept für die schnelle und nachhaltige Modernisierung des Altbaubestandes

Es ist eine Mammutaufgabe von weltweiter Bedeutung: Die Luft soll sauberer und das Klima besser geschützt werden. Beim Weltklimagipfel in Paris wurde beschlossen, die Treibhausgase zu verringern und die Erderwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter auf mindestens 1,5 Grad Celsius zu beschränken. So weit, so gut. Doch um die ambitionierten Ziele zu erreichen, sind Taten nötig. Um das gesetzte Ziel Deutschlands, bis zum Jahr 2050 rund 80 bis 95 Prozent weniger Treibhausgase auszustoßen als noch im Jahr 1990, muss der Gebäudebestand bis dahin nahezu klimaneutral sein. Jedoch wird es bei der aktuellen Sanierungsrate von etwa einem Prozent pro Jahr voraussichtlich noch einhundert Jahre dauern, bis der Gebäudealtbestand in Deutschland renoviert ist. Um dieser ambitionierten wie nötigen Forderung gerecht zu werden, hat sich das Team von ENERVATE zum Ziel gesetzt, eine nachhaltige und schnelle Transformation des Gebäudealtbestands zu erreichen. Konkret heißt das, den alten Gebäudebestand in energieeffiziente Smart-Home-Gebäude mit einem hohen Anteil erneuerbarer Energien am Wärmeverbrauch seriell zu sanieren.

Intelligente Thermofassade

Alte Bestandsgebäude seriell in moderne und effiziente Smart Homes umzuwandeln – dieser Herausforderung stellt sich das junge Team von ENERVATE. Dafür sollen alte Gebäudefassaden in einen thermischen Speicher umgewandelt werden. Flächenheizungen in Form von Hardware-Elementen werden dabei auf die Außenfassade des Gebäudes implementiert. Die Technologie von ENERVATE nutzt dafür die Massivität des alten Mauerwerkes, um diese mit thermischer Energie aus Erneuerbaren Energien aufzuheizen oder zu kühlen. Durch eine intelligente, börsenpreisoptimierte Steuerung der Wärmepumpe erlaubt die Speicherfähigkeit der Außenwandfassade eine Ausnutzung von überschüssig produzierten Erneuerbaren Energien. Erneuerbare Energien sind volatil. Durch die üblichen Schwankungen bei der Stromerzeugung entstehen starke Preisschwankungen beim Energiepreis. Sobald Überschüsse an Erneuerbaren Energien in den Markt fließen und somit der Preis für diese sinkt, wird der Überschuss-Strom durch die zukunkftsweisende Technologie von ENERVATE in Form von thermischer Energie in der Außenfassade gespeichert. Eigens dafür entwickelte thermische Heiz- und Kühlmodule sollen dafür die Außenfassaden der sanierungsbedürftigen Gebäude einkleiden. Die dadurch entstehenden, großflächigen, seriell skalierbaren und modular angelegten Heizplatten arbeiten mit einer Wärmepumpe, welche es ermöglicht, auf längst überholte Energiespender wie Öl- oder Gasheizungen zu verzichten. Eingespeist wird die dafür benötigte Energie ausschließlich aus erneuerbaren Energiequellen. So integriert das energetische Sanierungskonzept von ENERVATE, neben dem gesteigerten Wohnkomfort, bereits jetzt eine nachhaltige und intelligente Flexibilitätsoption, welche die zukünftigen Herausforderungen hinsichtlich der Wechselwirkungen von notwendigen Speicherkapazitäten durch den steigenden Anteil an Erneuerbaren Energien, steigender Volatilität und steigender Netzbelastung adressiert.

Sozialunternehmertum für die Zukunft

Seit 2018 arbeiten Jona Vogel, Betriebswirtschaftler, und Amir Giebel, Umweltingenieur, bereits an ihrer Entwicklung. Die Idee verfestigte sich während des Moduls „Green Start-up Academy“  welches wir in Kooperation mit dem Unternehmen Weidmüller GmbH & Co. KG durchführen und darauf abzielt, unternehmerisches Denken bei den Studierenden in Bezug auf die Reduktion des CO2-Ausstoßes zu fördern. Mit ihrer innovativen Geschäftsidee ging  das Team im Rahmen der abschließenden Pitch-Veranstaltung als Sieger hervor. „Wir versuchen eine Technologie zu entwickeln, die sowohl ökologisch als auch ökonomisch langfristig Bestand hat. So möchten wir einen Beitrag dazu leisten, die Klimaziele und den Klimaschutz maßgeblich zu unterstützen“, erklärt Jona die Vision des jungen Gründerteams. Anschließend beschlossen die beiden, ihre Ergebnisse als Hochschulausgründung in die Industrie zu überführen. Mittlerweile haben die beiden Gründer ihr Team um Andreas Fischer, Diplom Elektrotechniker und Spezialist für die Bereiche Software, IT und Programmierung, erweitert.

Nach der erfolgreichen Konzept-Demonstration in einem Pilotprojekt soll nun die Technologie bis zur Marktreife weiterentwickelt und der Nachweis über die Skalierbarkeit des Sanierungs- und Modernisierungskonzepts mit der intelligenten Thermofassade demonstriert werden. Für ihr Projekt erhielten die beiden Wissenschaftler Anfang dieses Jahres eine Förderung im Programm START-UP transfer.NRW vom Ministerium für Wissenschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie (MWIDE NRW) des Landes Nordrhein-Westfalen. Bei der Antragsstellung wurden sie durch unseren Gründungscoach Arthur beraten. Die 12-monatige Förderung in Höhe von 240.000 Euro soll durch die Nutzung von Forschungs- und Entwicklungsressourcen die Entwicklung von Dienstleistungen, Verfahren oder Produkten hin zur Marktreife vorantreiben und den als Fördervoraussetzung vorgelegten Businessplan für die nachfolgende Gründungs- und Wachstumsphase weiterentwickeln. Von Beginn an wurde das Team durch uns unterstützt und profitiert seitdem von der Expertise zu allen gründungsrelevanten Themen sowie von unserem starken Netzwerk. Mit dem Projektbeginn bezogen sie ihr eigenes Büro bei uns in der garage33, von dem aus sie ihre innovative Geschäftsidee sowohl unter strategisch-operativen als auch technologisch-wissenschaftlichen Gesichtspunkten weiterentwickeln.

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